Gespräche mit Künstlern , 2016

William Kentridge

DOPPEL-DADA

Betrachtungen des ewig Gestrigen im Jetzt

Ein Gesprach von Heinz-Norbert Jocks

William Kentridge, 1955 in Johannesburg geboren, bildender Künstler, Filmemacher, Performancekünstler, Regisseur und ein so großer wie passionierter Erzähler, gehört zu den renommiertesten zeitgenössischen, interdisziplinär arbeitenden Künstlern. Er, aus einer wohlhabenden jüdischen Familie stammend, wurde früh mit der leidvollen Geschichte seines Landes und seines Kontinents vertraut. Mit dem transatlantischen Sklavenhandel ebenso wie mit den Gräueltaten im Kongo, der Unterwerfung und Plünderung Afrikas durch die europäischen Kolonialmächte. Sein Vater Sydney gehörte zum Team weißer Anwälte, die in den 1950er und 1960er Jahren die schwarzen Widerstandskämpfer um Nelson Mandela verteidigten. William studiert an der University of Witwatersrand in Johannesburg Politik und Afrikanistik, wendete sich zunächst als Schauspieler und Dramaturg dem Theater zu. Den letzten Schliff als bildender Künstler erhielt er beim legendären Bill Ainsley. Dessen Kunststiftung nahm schon während der Apartheid-Ära Bewerber aller Hautfarben auf. Anschließend studierte Kentridge an der Theaterschule Jacques Lecoq in Paris, sein einziger längerer Auslandsaufenthalt.

Das Spektrum seines künstlerischen Schaffens reicht von Zeichnungen über die berühmten Méliès- und Soho-Animationsfilme, die Raum-Installationen wie dem documenta-Projekt The Refusal of Time bis hin zu Großprojektionen wie der mehrere Meter langen Filmarbeit More Sweetly Play the Dance, die Kentridge für die von Peter Weibel kuratierte lichtsicht Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde erstellt hat. Wer das Werk von Kentridge in diesem Jahr dort nicht sehen konnte, hat bis zum 8. Januar 2017 die Gelegenheit dazu im Karlsruher ZKM. In Bild und Ton setzt er sich hier, wie in älteren Arbeiten, mit der Post-Apartheid…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang


von Heinz-Norbert Jocks

Weitere Artikel dieses Autors