Titel: Postdigital 2 , 2016

Totgesagte leben länger

Das gedruckte Buch im postdigitalen Zusammenhang

von Franz Thalmair

„Weve all heard the news: print is dead.“1

Mit dieser lapidaren Feststellung beginnt Alessandro Ludovico in „Post-Digital Print. The Mutation of Publishing Since 1894“ seinen historischen Abriss über avantgardistische Methoden des Publizierens: Nach dem Aufkommen der Telegraphie, nach heute so gängigen Medientechnologien wie der des Radios, des Fernsehens, des Computers und letztlich nach der Popularisierung von Hypertext in den 1990er-Jahren befinden wir uns wieder in einer Zeit, in der das Buch totgesagt wird. Man hört, das digitale verdränge das gedruckte Buch, der kleine Buchhandel werde von Internet-Riesen geschluckt und Kinder seien nicht mehr an geschriebenen Geschichten interessiert. So oft das Buch totgesagt wurde, so oft hat es genau diese Feststellung auch überlebt.

Es ist unbestreitbar, dass sich diverse digitale Strukturen in unseren Lebenswelten manifestiert haben – dieser Umstand äußert sich auch im Medium des Buchs. Heute steht aber nicht mehr zur Diskussion, dass das Digitale in das Analoge drängt, sondern wie sich dieser Prozess auswirkt. Hinsichtlich des gedruckten Buchs entsteht gerade ein Diskurs, der hybride, prozessuale und performative Methoden des digitalen Publizierens analysiert, um sie im althergebrachten Zusammenhang neu zur Disposition zu stellen. Zentral dabei ist die Frage, wie lange die Dichotomie zwischen der Statik des Papiers und der Dynamik des Pixels noch aufrecht erhalten werden kann bis die beiden Pole ineinander übergehen und neue Kategorien bilden.2

Die Zukunft von postdigitalem Druckwerk, in dem sich das virtuelle mit dem analogen Feld zu einem…

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