Titel: Postdigital 2 , 2016

Jonas Lund

„Ich war erst mal gar nicht digital“

Ein Gespräch von Josephine Bosma

Jonas Lund vereint in seinen Arbeiten Medienkunst mit einer zeitgenössischer Kunstpraxis. Daraus entstehen Werke, die oftmals partizipatorisch, konzeptuell oder auch performativ angelegt sind. Der Künstler bewegt sich leichtfüßig zwischen On- und Offline-Systemen, zwischen technologischen und soziokulturellen Konstrukten, während er allfällige Analogien derselben reflektiert. Erste internationale Aufmerksamkeit erregte er 2013 mit seiner ersten Einzelausstellung „Fear of Missing Out (FOMO)“ im Rotterdamer Showroom MAMA. Für diese Ausstellung entwickelte Lund eine Analysesoftware, die ihn anwies, auf welche Art und Weise jedes Ausstellungsstück in Anlehnung an die erfolgreichsten aktuellen KünstlerInnen am Kunstmarkt zu fertigen sei, inklusive Titel, Material und dergleichen.

Netzwerke und die in ihnen zirkulierende Software sind fixe Bestandteile von Lunds Praxis, sowohl in materieller als auch in konzeptueller Hinsicht. Bei der Arbeit „Blue Crush“ (2011), ein Netzkunstwerk, legen blaue Pop-up-Fenster den Rechner lahm und bringen den Browser zum Absturz, sobald man die Seite aufruft. „Search of Lost Time“ (2011) ist eine Twitterversion des gleichnamigen Buches von Marcel Proust, das, aufgeteilt in Abschnitte mit 140 Anschlägen, über den Zeitraum von 6,5 Jahren getwittert wird. „The Paintshop.biz“ (2012) ist eine Kombination aus interaktiver Website, Malstudio und Homepage, mit der die BesucherInnen Gemälde entwerfen, drucken und verkaufen konnten.

Lund kommentierte den Kunstmarkt bereits mit der 2011 entstandenen Arbeit „Collection Enlargement“ und widmete sich diesem Thema von da an mit mehreren Werken. Mit seiner ersten Einzelausstellung jedoch verwandelte er sich vom reinen Kommentator in den aktiven Systemarchitekten. Lund beteiligt sich mit Hilfe des Netzes aktiv an…

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von Josephine Bosma

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