Ausstellungen: Krefeld , 2016

Eva Kot’átková und Ketty La Rocca

Entwohnte Körper

Museum Haus Esters 25.09.2016 – 22.01.2017
von Annelie Pohlen

„Die Rolle des Individuums in einer von Normen bestimmten Umgebung wird gerade durch die künstlerische Nähe der Arbeiten in seiner historischen wie aktuellen Relevanz spürbar“, so die Presseverlautbarung. Am Anfang steht der Wunsch, die 1982 in Prag geborene Bildhauerin Eva Kot’átková vorzustellen. Sie genießt seit ihrem Auftritt in der ebenso beachteten wie umstrittenen Hauptausstellung „Il Palazzo Enciclopedico“ der 55. Biennale in Venedig erhöhte Aufmerksamkeit. Was mit Blick auf ihre die auch in der sich fortschrittlich dünkenden westlichen Welt uneingelösten Versprechen thematisierende, unmittelbar bewegende Bildsprache kaum verwunderlich ist.

Die Entscheidung, Eva Kot’átková in eine Begegnung mit dem Werk der 1976 im Alter von nur 38 Jahren verstorbenen italienischen Künstlerin Ketty La Rocca zu führen, trifft Kuratorin Magdalena Holzhey intuitiv. Und initiiert – wie die Doppelausstellung beweist – einen so vibrierenden wie überzeugenden, Generationen übergreifenden Diskurs. Die Jüngere nimmt den Vorschlag nicht nur an. Sie tritt in ein bewegendes Zwiegespräch mit einer der wichtigsten Vertreterinnen der Konzept- und Body Art, die vor nahezu einem halben Jahrhundert den Körper „als Ausdruck von Entfremdung und Sprachlosigkeit“ mit faszinierender Intensität ins Bild gesetzt hat.

Das gilt nicht nur für die räumliche Inszenierung der je individuellen Werke zweier auch formal ästhetisch großartiger Künstlerinnen. Nein, die Jüngere hat in einigen eigens für diese Ausstellung entstandenen Werken Ketty La Roccas ‚Sprache‘ im Wortsinn – z. B. in „Unformed words/Swallowed objects“, 2016 – in eine Generationen und Regionen übergreifende, zwischen Alphabet und Dingchiffren schlingernde Komposition ‚übersetzt‘. Die so überzeugend verdichtete Begeisterung prägt…


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