Titel: Cross Culture · S. 165
Titel: Cross Culture , 1985

Cross Culture
eine neue Tendenz in der Kunst

Herausgegeben von Wolfgang Max Faust

Das Phänomen ist international. Wir finden es in New York, Arnheim, Mailand, London, Düsseldorf oder West-Berlin. Im Gegenzug zur sich zementierenden Fixierung der bildenden Kunst auf „Bilder“, auf „Malerei“, die jetzt – in der Mitte der 80er Jahre – durchgängig zu beobachten ist, tun sich junge Künstler (Nichtkünstler) zusammen, bilden Gruppen/Bands, die bewußt die neuen Beschränkungen auf einzelne Kunstgattungen unterlaufen. „Kunst und Leben“ steht wieder zur Debatte, „Kunst und Öffentlichkeit“, „Kunst und Medien“…

Das findet statt an den Rändern des etablierten Kunstbetriebs, verbindet sich mit anderen Kontexten, zieht sich zurück auf Außenseiter oder assimiliert sich mit bestehenden „Institutionen“. Der Affront, der zu spüren ist, ist – vor allem in der bildenden Kunst – ein Affront gegen die neuen Selbstverständlichkeiten. Er richtet sich gegen den quasi-natürlichen Reduktionismus auf „Bilder“ und bezieht den dadurch entstandenen sozialen Rahmen mit ein. Er widerspricht dem neu-alten Bild vom Künstler als dem großen Einzelnen, er irritiert die eingespielte arbeitsteilige Vermittlung der Kunst durch den Markt und durchbricht die neue Homogenität des Kunstpublikums. Anstelle dieser Selbstverständlichkeiten, die sich durch die „Rückkehr der Bilder“ seit dem Ende der 70er Jahre herausbildeten, werden eigene Bezüge gesetzt. Ihre Hauptaspekte: Verkettung, Überschreitung, Irritation. Eine selbstbestimmte Öffentlichkeit entwickelt sich, die sich „quer“ zu den bestehenden Kontexten situiert. Diese „Querlage“ unterscheidet die neuen Tendenzen von eher tradierten Formen der Gegen- oder Subkultur, deren Konzepte des Gegenübers sich vor allem auf die Schaffung von Enklaven neuer Identität beziehen.

Subkultur und Gegenkultur definieren sich vor allem…

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