Monografie · von Annelie Pohlen · S. 236
Monografie , 1985

Die Welt anders denken oder „Arbeiten im Reichtum“

zum Werk von Stephan Huber von Annelie Fohlen

In München wurde eine besondere urbane ‚Untat‘ zur kulturellen Wohltat umfunktioniert. Eine der scheußlichsten Fußgängerunterführungen, wo wohl nie ein Ladenlokal wirklich erfolgreich existieren konnte, wurde als Satellit-Ausstellungs-Raum des Lenbachhauses zum „Kulturforum“ im Untergrund. Meist suchen junge Künstler dort ihre Öffentlichkeit. Doch auch Beuys wußte den Anti-Reiz des Ortes für seine Installation „Zeige Deine Wunden“ zu nutzen. Hier begann – wenn man so will – 1980 die öffentliche ‚Karriere‘ des Münchner Künstlers Stephan Huber mit der Installation „Der Künstler, der Sammler und das Museum. Das Mehl…“. Am Ort, der polare Kälte ohne die abenteuerlich romanhaften Reize ausstrahlt, verband Huber die Lust am Inszenatorischen, am Spielerisch-Theatralischen, die viele seiner Arbeiten auch später noch, wenn auch in rigiderer Form, kennzeichnen, mit den Widerhaken der provokanten Unvereinbarkeiten. Nur durch einen Schlitz in der Fensterverkleidung war das Innere des Raumes einsehbar: ein mit Mehl bestreuter Boden, ein Zelt mit starrer Fahne, herumliegende Holzkisten mit der Aufschrift ‚Installationszelt‘. Am Rand Tisch und Stuhl des Wärters. Gegenüber den Kisten auf einem Podest ein Tisch und ein Stuhl, darüber im Glasrahmen drei graue Bücher mit der Aufschrift „Sammlung Y Ankäufe 1960-1970“, „Sammlung Y Ankäufe 1971-1977“, „Sammlung Y Ankäufe 1978-1980“. Dann noch eine Eisenstange mit einer Kette, an deren Ende ein grau bemaltes, mit Polyester überzogenes Fleischstück hängt. Spuren im Mehl. Kühle Suggestion großer menschlicher Abenteuer und Eroberungen? Über dem Kunstforum donnert der alltägliche Verkehrslärm, ja wird gar noch durch einen Lautsprecher in den Raum…

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