Titel: Video - 20 Jahre später , 1985

„Eigentlich gescheitert…“

Erfahrungen mit Video-Kunst im Fernsehen

Die Anekdote, daß im Büro des technischen Direktors einer großen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt ein Schild mit der Inschrift prange, „Wer hier von Kunst spricht, fliegt raus!“, ist (da sie nicht wahr sein darf) insofern gut erfunden, als sie das Verhältnis von Technik zu Kunst bitter richtig charakterisiert. Die Fronten sind klar geschieden: mit „Technik“ identifiziert sich die Riege derer, die im Interesse des deutschen Fernsehzuschauers, der für ihre Sorgfalt zahlt, über die Perfektion dessen wacht, was die Sendestraße verläßt. Mit „Kunst“ bezeichnet diese die Elaborate all jener Lotterburschen und Chaoten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Perfektion kreativ zu unterlaufen.

Vermittler zwischen diesen Positionen ist der festangestellte Redakteur: Störenfried, wenn er mehr auf der Seite der Innovation seinen Programmauftrag zur Information dahingehend auslegt, daß auch Gewohnheiten und Erwartungen durchbrechende Sendeformen und -inhalte über den Sender zum unbekannten Empfänger geschickt werden müssen. – Zielscheibe des Gespötts der Freien da draußen, die durch ihre Kreativität die Kruste des alternden Mediums aufbrechen möchten, falls er die Notwendigkeiten zur technischen Perfektion (= Konvention) soweit verinnerlicht hat, daß er den Zwang, hohe Einschaltquoten zu produzieren, über das Risiko stellt, mit technisch weniger perfekten, künstlerisch interessanteren Sendungen nur wenige Zuschauer zu erreichen.

Die Vorstellung von „Perfektion“ ist naturgemäß vom Standpunkt abhängig. War in den Anfängen des Fernsehens für einen Fernsehtechniker „sendefähig“, was mit E-Kameras auf 2-Zoll-Bändern produziert oder dem elektronischen Filmabtaster als 35-mm bzw. später 16-mm Film angeboten wurde, so hat sich im Laufe der Zeit auch 3/4 Zoll bzw. Super-Acht-Film zur…

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