Titel: Video - 20 Jahre später , 1985

„The Luminous Image“

22 Video-Installationen im Stedelijk Museum Amsterdam
Katalogvorwort von Dorine Mignot

Einleitung

„Wir Menschen als räumliche Wesen übermitteln zum ersten Mal unsere neuen Kunstformen durch das Fernsehen, basierend auf räumlichen Vorstellungen unter zweifachem Aspekt. (…) Unsere künstlerischen Ausdrucksweisen erweitern bis ins Unendliche, bis in unendliche Dimensionen die Grenzen des Horizonts: dies erfordert eine Ästhetik, in der ein Gemälde nicht länger ein Gemälde ist, eine Skulptur nicht länger eine Skulptur, in der eine beschriftete Seite nicht mehr dasselbe ist wie ihr typographisches Layout. Wir Menschen des Raumes betrachten uns als die Künstler von heute, da wir uns die technischen Errungenschaften für die Ausübung unserer Kunst zunutze gemacht haben.“

Euphorische Worte wie diese, die aus dem ‚Manifesto de Movimento Spaziale della Televisione‘ einer Gruppe italienischer Künstler1 (1952), entnommen sind, hört man 1984 nur noch selten. Heutzutage sind es eher die negativen Seiten des Phänomens Fernsehen, die betont werden: Das Fernsehen als Massenmedium mit Programmen, die durch Einschaltquoten bestimmt werden, Fernsehen als verführerische Ablenkung, Fernsehen als politisches Machtinstrument, Fernsehen als Vermittler einseitiger Information oder als Verzerrer von Lebens- und Anschauungsformen. Von den meisten Leuten werden diese Fakten entweder akzeptiert oder negiert, nur wenige reagieren darauf. Gene Youngblood schrieb 1983: „Kunst … hat etwas mit persönlicher Vorstellungskraft und Autonomie zu tun; ihr Ziel ist es, einen ’nicht-alltäglichen‘ Beobachter herauszubilden. Daher ist die Auffassung, daß Video-Kunst ‚zum Fernsehen gehört‘ sowohl ein Widerspruch in den Begriffen als auch eine Vermengung der Standpunkte.“2 Sogar der Künstler Nam June Paik, der sonst eine positive Haltung vertritt, sieht Gefahren aufkommen: „Die…

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