Ausstellungen: München · von Helmut Draxler · S. 413
Ausstellungen: München , 1998

Helmut Draxler

Das Mädchenzimmer

»Julie Doucet, Pia Lanzinger, Cornelia Schmidt-Bleek und viele Mädchen«

Eine Ausstellung und Veranstaltungsreihe im Kunstraum München,

28.11.1997 – 14.2.1998

Nach wie vor steht der öffentliche Raum für Jungs in ganz anderer Weise offen als für Mädchen. Deren kontinuierliche „Erziehung“ zu Furcht und Vorsicht bestätigt erst, daß der öffentliche Raum von Jungs bzw. Männern beherrscht wird. Aufgrund dieser geschlechtsspezifischen Sozialisierung spielt für Mädchen das eigene Zimmer eine große Rolle: das Mädchenzimmer, Ort privatistischer Festschreibungen oder Schauplatz von Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen und kulturellen Normen? Das ist die Ausgangsfrage des Projekts von Doucet, Lanzinger und Schmidt-Bleek. Rund um Themen wie Liebe, Sexualität, Mode oder Fanverhalten (re)konstruieren die Autorinnen sowohl Elemente ihrer eigenen 70er Jahre-Mädchen-Zeit als auch aktuelle Zimmer. Dabei geht es darum, im Gegensatz zu den tendenziell auf Konsum und Anpassung zielenden Medien (Mädchenzeitschriften u.a.) und der Werbung auch die Selbstbehauptung der Mädchen ins Spiel zu bringen.

Die Ausstellung beginnt mit den von Mädchen selbst gezeichneten und somit angeeigneten „Starportraits“, die Cornelia Schmidt-Bleek bei Bravo ausgewählt und gemeinsam mit Briefen und Kommentaren installiert hat. Auf die Wände und die Decke des Raums übertragen, ergeben die Starportraits ein dekoratives Muster für die gesamte Ausstellung. „Mädchen(t)räume“, eine Möbelinstallation auf engstem Raum von Pia Lanzinger, zeigt die Fertigteil-Variante eines Jugendzimmers in „Fichte-Imitation“. Da ist der Traum von einer eigenen kleinen Welt festgefahren und mädchen kann daran nichts mehr ändern. Auf die Kissen und andere kleine Ausstattungsteile hat Lanzinger Werbung für Menstruationsartikel verschiedener Firmen gedruckt: Erst die richtige Binde liefert Dir die entsprechenden Codes für den öffentlichen, urbanen Raum:…

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