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Documenta Fifteen: Diskussion · von Judith Elisabeth Weiss · S. 196 - 199
Documenta Fifteen: Diskussion ,

Die politische Instrumentalisierung des Antisemitismus

Anmerkungen zum gegenwärtigem Kulturkampf
Die Philosophin Susan Neiman im Gespräch mit Judith Elisabeth Weiss und Herbert Kopp-Oberstebrink

Die Antisemitismus-Debatte um die documenta fifteen mit dem politisch forcierten Rücktritt der Generaldirektorin wirft Fragen auf, die weit über die tages- und kulturpolitische Aktualität hinausreichen. Sie ist Symptom eines Kulturkampfes, der seit der Verabschiedung der BDS-Resolution durch den Bundestag hohe Wellen schlägt. Teile des deutschen Kulturund Wissenschaftsbetriebes hatten sich mit der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ Ende 2020 gegen den Bundestagsbeschluss ausgesprochen, weil sie die Kunst- und Meinungsfreiheit gefährdet sahen. Nicht zuletzt ist auch die Tagung „Hijacking Memory. Der Holocaust und die Neue Rechte“ im Haus der Kulturen der Welt (Juni 2022) unter Beschuss geraten. Die umstrittene Konferenz wurde schließlich auch zum Anlass genommen, um die staatliche Förderung der Institution in Frage zu stellen.

Im Gespräch mit der Direktorin des Einstein Forums Potsdam und Mitorganisatorin der Tagung, der Philosophin Susan Neiman, haben wir über die Hintergründe dieser Debatten und über die Instrumentalisierung von kollektiver Erinnerung gesprochen. Uns hat interessiert, wie Staatsräson und Kulturpolitik ineinandergreifen. Was steckt hinter dem Befund jüdischer Interessensverbände und konservativer Kreise, Linksintellektuelle würden den Antisemitismus befördern, indem sie dem Postkolonialismus Tür und Tor öffnen? Wie verlaufen die Frontlinien der Debatten?

Susan Neiman hat sich einmal selbst als den „Typus kosmopolitische, jüdische Intellektuelle“ bezeichnet. In Atlanta, Georgia, geboren, studierte sie Philosophie an der Harvard Universität und der Freien Universität Berlin. Bevor sie im Jahr 2000 die Leitung des Einstein Forums übernahm, war sie Professorin für Philosophie an der…


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