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Fragen zur Zeit · von Michael Hübl · S. 44 - 47
Fragen zur Zeit ,

Fragen zur Zeit
Sie bürgen mit ihrer Existenz

Michael Hübl

Alles Easy? Individuelle Autorenschaft verlangt Anstrengung – Das ist gut für die Demokratie

Um es vorneweg klarzustellen: Dies ist ein Plädoyer, keine Polemik. Keine Polemik gegen den Kollektiv-Gedanken und doch ein Plädoyer für die Wertschätzung individueller Autorenschaft in der Kunst. Es geht nicht darum, die eine Auffassung gegen die andere auszuspielen, sondern Hinweise zu geben. Hinweise auf Punkte, die trotz heftigster Debatten übersehen, vernachlässigt oder zu wenig präzisiert wurden.

Auf die Spitze getrieben wurde die Kontroverse durch die programmatische Ausrichtung der documenta fifteen, die ganz auf Gruppen, gemeinschaftliche Aktivitäten und kollektive Initiativen setzte. Künstlerische Einzelpositionen fanden allenfalls marginale Berücksichtigung. Damit befeuerte die Documenta1 einen Konflikt, der schon länger schwelt. Bislang hatte er sich an der Figur des Kurators (gleich welchen Geschlechts) entzündet. In ihr fokussierte ein Verdacht respektloser Zurücksetzung, verdichtete sich der Eindruck, die Werke einer Bildhauerin oder eines Malers würden lediglich als Belegstücke für Thesen und Theoriegebilde genutzt – ungeachtet der ästhetischen Komplexität dieser Arbeiten und der Reflexionsprozesse, die ihnen zugrunde liegen.

Der Begriff ‚Kuratorenausstellung‘ avancierte zum Pendant des nicht minder schlecht beleumundeten Unworts ‚Regietheater‘, das ebenfalls für Missachtung auktorialer Hervorbringungen steht. Die Dramen eines Shakespeare oder Schiller? – bloßes Material, Rohstoff für beliebige Dekonstruktionen. Dabei ist das Theater per se ein Ort kollektiven Zusammenwirkens. Was schon früh dazu führte, dass sich dessen Akteure offenbar als eine Art Schwarmintelligenz verstanden. So heißt es von einer, freilich fiktiven, Schauspieltruppe, die sich Ende des 18. Jahrhunderts (die Französische Revolution hatte just ihre blutige Klimax überschritten) über…

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