Magazin: Museen & Institutionen · von Andreas Denk · S. 487
Magazin: Museen & Institutionen , 1998

Andreas Denk

Ein Glashaus für Leipzig

Der Wettbewerb um das Leipziger »Museum der bildenden Künste« ist entschieden

Leipzig kommt: Der Slogan der Messestadt soll nun auch in Kulturbereiche fortwirken. Allerdings sind Sachzwänge Promotoren des kulturellen Ausbaus: Die Stadt verfügt – ähnlich wie Köln mit der Sammlung Wallraf-Richartz, Frankfurt mit der Städelschen Sammlung oder Hamburg mit dem Bestand der Kunsthalle – über eine traditionsreiche Bürgerstiftung. Seit der Gründung des Leipziger Kunstvereins 1837 wurden 2700 Gemälde, 750 Skulpturen und Plastiken, 55000 Grafiken und Zeichnungen vom Spätmittelalter bis zur Moderne zusammengetragen. Schon früh – 1858 – bekam dieses Konvolut ein eigenes Ausstellungsgebäude am Augustusplatz im Herzen der Stadt.

Nachdem dieser Bau im zweiten Weltkrieg zerstört wurde, waren die Sammlungen im ehemaligen Reichsgericht, dem nachmaligen Georgi-Dimitroff-Museum, untergebracht. Die Sammlung reicht von Schongauer über van Eyck, Cranach, Raffael bis Reni, von Bloemart, Cuyp und Hals bis Rembrandt, von Graff, Mengs, Koch, Richter zu Friedrich, von Segantini, Leibl, Böcklin und Klinger bis zu Grundig oder Tübke und einigen zeitgenössischen Neuerwerbungen. Auch zu DDR-Zeiten war das Museum kein unwesentlicher kunsttouristischer Anziehungspunkt der Stadt.

Die Umverteilung staatlicher Einrichtungen nach der „Wende“ wird nun bis 2002 das ehemalige Reichsgericht in seine alte Funktion zurückversetzen: Hier soll das bislang in Berlin ansässige Bundesverwaltungsgericht einziehen. Entsprechend sah sich die Stadt Leipzig im Zugzwang, für seine exorbitante Sammlung neue Räumlichkeiten zu suchen.

Nach einem für heutige kommunale Verhältnisse produktiven und schnellen Entscheidungsverfahren gelang es 1996, im Leipziger Stadtrat eine Standortentscheidung für den binnenstädtischen Sachsenplatz zu treffen und dortselbst eine Fläche von 10000 Quadratmetern für den künftigen Museumsbau zu…

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