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Magazin: Museen & Institutionen · von Andreas Denk · S. 488 - 488
Magazin: Museen & Institutionen , 1998

Andreas Denk
Zu hoch gepokert?

Ein unspektakuläres Ruhekissen für die Sammlung Grothe

Nach heftigem Gezerre steht fest: Der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe wird wesentliche Teile seiner Sammlung weiterhin als Leihgaben in der „Bundesstadt“ Bonn belassen.

Noch 1997 schien in einem Nebenfeld des Kampfs der großen Rivalinnen Köln und Düsseldorf dem nur die dritte Geige spielenden Bonn der Himmel zum Greifen nahe: Neben der repräsentativ veranlaßten staatlichen „Schenkung“ der Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes, dem mühsam zwischen provinzieller Feigheit und lokaler Selbstüberschätzung installierten Kunstmuseum der Stadt und dem angesichts der finanziellen und personellen Ausstattung zwischen Hangen und Bangen pendelnden Kunstverein winkte eine neue Institution.

Der maßgebliche Leihgeber des Kunstmuseums hatte diesbezüglich eine nahezu ultimative Forderung gestellt: Hans Grothe, Duisburger Bauunternehmer und Immobilienhändler mit einer prominent sortierten Kollektion zeitgenössischer Kunst und noch besserem Selbstbewußtsein, forderte für den Verbleib seiner Sammlung in Bonn ein eigenes Ausstellungsgebäude. Die Grothesche Sammlung umfaßt – maßgeblich von der ehemaligen Direktoren des Bonner Kunstmuseums, Dierk Stemmler und Katharina Schmidt, beeinflußt – insgesamt etwa 600 Stücke mit Ankäufen von Künstlern wie Balkenhol, Baselitz, Becher, Beuys, Baselitz, Förk, Penck, Polke, Richter, Kiefer, Trockel, Darboven, Sieverding, Immendorff, Lüpertz und Horn. Seit 1971 befindet sie sich im Kunstmuseum Bonn.

Anlaß für Grothes Ehrgeiz war nicht zuletzt die Tatsache, daß das Konvolut wegen seines Volumens nur zu Teilen im von Axel Schultes entworfenen Bonner Neubau zu sehen ist. Deshalb erträumte sich der Sammler einen Bau zwischen Kunstmuseum und Bundeskunsthalle, in dem „seine“ Künstler jeweils einen eigenen Raum bekommen, der zunächst mit Stücken der Sammlung, im Laufe der Zeit aber auch mit wechselnden Präsentationen der Künstler „bespielt“ werden könnte.

Aus einem internen Auswahlverfahren für diese nach dem Wunsch Grothes zweckorientierte „Kunstkiste“ gingen im vergangenen Jahr die renommierten Basler Architekten Herzog & de Meuron als Auftragnehmer hervor, die einen aus ihrer Zusammenarbeit mit Rémy Zaugg und Ideen von Josef Beuys gespeisten Entwurf vorlegten, der insgesamt 8,5 Millionen Mark kosten sollte. Dieses Investitionsvolumen wollte Grothe mit einer Million unterstützten.

Das ambitionierte Projekt scheiterte indes an den Kosten für die Verlegung von bestehenden Versorgungsleitungen für eine Million Mark und eine Klimaanlage, die weitere drei Millionen gekostet hätte, und deren Aufgeld angesichts der kommunalen Finanzschwäche auf den Sammler übergegangen wären.

Überdies hatte Grothe – gewissermaßen als Daumenschraube gegenüber Bonn – Kontakte zu offiziellen Stellen in Duisburg und Düsseldorf geknüpft, bei denen er ebenfalls Teile seiner Sammlung zur Präsentation anbot. Hier lagen in kurzer Zeit Zusagen für den Ausbau der „Küppersmühle“ im Duisburger Hafen und die Einrichtung eines „Kulturhotels“ in Düsseldorf vor. Grothe schien diese dreifache Option tauglich, ein Rotationssystem für seine Sammlung zu entwerfen, bei dem jeweils ein Drittel der Arbeiten in einer der drei Städte gezeigt werden könnte.

Ein Rettungsversuch für ein „unverwechselbares Künstlermuseum“, das Kulturdezernent von Uslar eigens zur Unterredung mit Grothe nach Mallorca führte, blieb erfolglos. Angesichts der Poker-Mentalität des Sammlers blies die Stadt schließlich das Unternehmen „Kunstkiste“ ab, für das immerhin schon vier Millionen Mark aus Ausgleichsgeldern bereitstanden, die der Bund für den Verlust der Hauptstadtfunktion an Bonn zahlt. Diese Mittel gehen nun an das zoologische Museum Koenig und das Projekt „Zeitenwende“, das das Kunstmuseum mit dem Rheinischen Landesmuseum und der Bundeskunsthalle zur Jahrtausendwende plant.

Um so eigentümlicher mutet Grothes letzte Wendung an: Der Sammler, eigenen Worten zufolge „der Stadt verpflichtet“, hat nach „langen und zähen“ Verhandlungen mit der Stadt Bonn einen Vertrag unterschrieben, der seine Sammlung bis zum 31. Dezember 2025 an das Kunstmuseum der Stadt bindet. Hier wäre nur wenig früher Nutzbringenderes möglich gewesen: Das Bonner Museum soll nun eine Art „Mutterhaus“ sein, das den Besitzstand des Duisburger Unternehmers verwaltet und auf die drei Häuser am Rhein verteilt. Offenbar hat der Immobilienhändler zu hoch gepokert: Für die „Kunstkiste“, so Bonns Kulturdezernent von Uslar, sei jedenfalls die „Klappe endgültig zu“.