Ausstellungen: Bonn , 1998

Martin Seidel

Erich Reusch

»Arbeiten 1954 – 1998«

Kunstmuseum Bonn, 29.1. – 22.3.1998

Verkannte Genies und auf ewig unentdeckte Talente sind, so der common sense, eine romantische Erfindung: es gibt sie nicht. Das Bonner Kunstmuseum stellt in einer couragierten Schau mit Erich Reusch aber einen Bildhauer aus, dessen Pionierleistungen auf dem Gebiet der Plastik viel größer sind als dies Ausstellungsliste und Bibliographie vermuten lassen. Wandobjekte, Bodenskulpturen, Zeichnungen und Modelle der Außenraumplastiken unterstreichen den Rang eines seit über vier Jahrzehnten wirkenden Künstlers, dessen breiterer Rezeption erst der Minimalismus der Amerikaner, dann der mystische Siegeszug von Beuys in die Quere kam.

Erich Reusch, 1925 in Wittenberg-Lutherstadt geboren, fing an, wie man an den nachkriegsdeutschen Akademien eben so anfing: figural und fern der in Paris und New York gesetzten Trends. Eher beiläufig fand der als Architekt und Bildhauer ausgebildete Reusch zur universalen Abstraktion, als er im Atelier der Berliner Akademie einen weißen Kubus, der als Sockel dienen sollte, als eine nachhaltig den Raum besetzende Skulptur wahrnahm. Gepackt von der „Sehnsucht nach der neuen Skulptur im Raum“ brach Reusch – ähnlich wie sein Düsseldorfer Akademiekollege Norbert Kricke – zu neuen Ufern auf und entwickelte mitunter winzig kleine, mitunter weit ausladende Wand- und Bodenarbeiten, bei denen die Gattungen Architektur, Plastik und Malerei ihre kategoriale Eindimensionalität verloren.

Seit den Anfängen drängen Reuschs an sich recht simple Farb-Formkonstellationen in den Raum; Stahl-Reliefs arbeiten mit Hohl- und Zwischenräumen; schrillfarbige Wandobjekte setzen Zylinder oder zweidimensionale Wellenformen gegen die wandparallele Grundfläche oder verschalen bemalte Holzquader mit Plexiglas; Reliefs erobern sich mit fühlerartig ausgefahrenen, leicht schwingenden Stäben…

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von Martin Seidel

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