Ausstellungen: Wien , 2001

Ursula Maria Probst

Gerwald Rockenschaub

»Variations on Classic«

Bawag Foundation, Wien, 12.12.2000 – 4.2.2001

Jeder Ort verlangt nach seinen speziellen Lösungen“. In der Bawag Foundation treffen BesucherInnen auf eine absurde Situation: Ein aufblasbarer, durchsichtiger PVC-Kubus, Leichtigkeit und Immaterialität suggerierend, befindet sich inmitten des Raumes und blockiert jeden weiteren Durchgang. Seit 1996 verwendet Gerwald Rockenschaub für seine temporären Rauminstallationen Objekte aus industriell gefertigtem PVC, lässt sie entweder Trennwände bilden oder Orte markieren. Subtil wird in die strukturellen Bedingungen des weißen, kahlen Ausstellungsraumes eingegriffen. Der PVC-Kubus unterbricht den gewohnten Bewegungsfluss, durchkreuzt die Logik der üblichen Betrachterposition und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Künstlichkeit des Architektur-Designs. Enthüllt werden dabei architektonische Elemente, die den Augen der BetrachterInnen normalerweise verborgen bleiben. Im Spiel von Innen/Außen mutiert die Transparenz des PVC zur ironisch gewendeten Hülle der Umhüllung des ‚White Cube‘.

Ein Raster von gespannten Schnüren, die dem Kubus Form verleihen, lässt das Objekt als Sehmaschine erscheinen. Was dem körperlichen Eindringen verwehrt bleibt, kann mit dem Blick weiterverfolgt werden. In seiner Auseinandersetzung mit dem Verhalten des Rezipienten wendet Rockenschaub eine Doppelstrategie an: Zunächst entwickelt er ein Gerüst, anhand dessen die Bewegungen im Raum gelenkt werden. Gleichzeitig werden in die Konzeption diverse Wahrnehmungsformen einbezogen. Als passionierter Voyeur führt Gerwald Rockenschaub selbst Regie. Mit einem Mini-CAD-Programm bildet er den Ausstellungsraum virtuell nach, simuliert die Bewegungen der BesucherInnen und imitiert die Perspektive der BetrachterInnen.

Das Resultat ist die Decodierung der vorgefundenen (Infra-)Struktur und in der Folge die Möglichkeit, den sozialen Raum selbst zu definieren. Um diese Methode der künstlerischen Intervention zu präzisieren, spricht Joshua Dector von…

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von Ursula Maria Probst

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