Titel: Der homoerotische Blick · von Jutta Zaremba · S. 202
Titel: Der homoerotische Blick , 2001

Jutta Zaremba

Label Lesbenfilm

Lesbenfilme: Wer und was macht sie zu solchen? Eine Handlungsebene, die lesbische Heldinnen und Liebesszenen als Identifikationspotenziale bietet? Eine Regisseurin, deren lesbische Orientierung bekannt ist oder wegen ihrer Teilnahme an Lesbenfilm-Festivals schlichtweg angenommen wird? Ein Publikum, das durch seine Rezeptionsvorlieben auch solche Filme zu lesbischen umfunktionieren kann, welche sich selbst nicht zwingend so verstehen? Diesen Fragen geht zunächst ein Blick auf vier unterschiedliche Frauen-Lesben-Filmfestivals und deren Verständnis von Lesbenfilmen nach. Als Beispiele für interessante Lesbenfilm-Klischees des dominanten Kinos dienen der „Hosenrollenfilm“ und die „Lesbische Vampirin“, die dem lesbischen Publikum bereits ein gewisses Maß an Schaulust bieten, welche sich in unabhängigen Lesbenfilmen differenziert und erweitert. Es folgen vier Produktionen von unabhängigen lesbischen Filmemacherinnen aus drei Jahrzehnten, die die Genres des dominanten Kinos wie den Piratenfilm, den Science Fiction, den Detektivfilm usw. mit lesbischen Figuren besetzen und ein inhaltlich und ästhetisch radikales Spiel mit Stereotypien in Gang setzen. Als zentraler Unterschied zu konventionellen Filmen kristallisiert sich schließlich die Art und Weise heraus, wie lesbisches Verlangen ins Bild gesetzt wird.

LesbenFilmFestival Berlin

Das unabhängige LesbenFilmFestival Berlin ist neben Paris und Bologna das drittgrößte seiner Art in Europa, besteht seit 1985 und zeigt neue Film- und Videoproduktionen aller Genres. Zu verschiedenen Themenschwerpunkten gibt es Programmblöcke, so 1999 zu kulturellen Identitäten, Sexualität und Gender. Zwei Auswahlkriterien für Lesbenfilme fallen auf: Erstens gibt es angesichts stereotyper heterosexueller Rollenbilder ein Bedürfnis nach affirmativer Lesbendarstellung, denn die Unzufriedenheit mit dem Mainstream-Kino führt zu einer Bevorzugung von Filminhalten, die lesbische Lebenswelten positiv darstellen. Zweitens sind Produktionen „vorwiegend lesbischer Filmemacherinnen…

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