Titel: Der homoerotische Blick · von Christoph Klimke · S. 193
Titel: Der homoerotische Blick , 2001

Christoph Klimke

»Die Welt will mich nicht mehr und weiß es nicht«

Über die Bilder von Federico García Lorca und Pier Paolo Pasolini

Federico García Lorca: „Nur das Geheimnis läßt uns leben.“ Wenn es nur Masken gibt, wird das Dahinter immer gefährlicher, auch die Liebe. Die Liebe, ihre Unterdrückung bis hin zur Unmöglichkeit ist eines der zentralen Themen Lorcas. In seinen Dramen werfen die Protagonisten ihren Körper, das einzige, was sie wirklich besitzen, in den Kampf, um aus dem Gefängnis ihrer Träume entweichen zu können. In ein anderes Leben, in die Freiheit und Liebe. Das endet zumeist tragisch. Die eigene Maske erkennen, die Masken der anderen zu sehen und zu begreifen, was dahinter lauert, ist ein schwieriger Lebensprozess. Die Masken anderen zu entreißen und sie gar selbst abzulegen, heißt, anarchistischen Mut zu beweisen.

Federico García Lorca hat in seinen Zeichnungen eine eigene Wirklichkeit geschaffen, eine Welt der Masken. Biographisch liegt sein Hang zum Maskenhaften zunächst sicher in der eigenen Homosexualität begründet. Das Sich-verstecken-Müssen oder -Wollen in einer machohaften Gesellschaft, die in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts am Rande Südeuropas alles hasst, was scheinbar schwach oder anders ist, Lorca konnte sich schwer von seinen Ängsten und Komplexen befreien.

So wie er vor allem in dem Gedichtband „Dichter in New York“ und in den späten Stücken „Komödie ohne Titel“ und „Das Publikum“ seine Liebe literarisch verarbeitet und den Blick auf die Opfer der Gesellschaft schärft, so ist in seinen Zeichnungen durchweg seine große Melancholie sichtbar. Lorca zeichnet Selbstportraits und führt uns mit schnellem, sicherem Strich in das…

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