Titel: Der homoerotische Blick , 2001

Birgit Richard

Metrosexual

Schwule Crossovers in den Mainstream

Schwule Kultur formt metropoles Leben. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Widerspiegelung schwuler Ästhetiken in Bilderwelten, die durch heterosexuelle Standards definiert sind. Die sexuelle und kulturelle Praxis des politischen Konzepts von „Queerness“ (queer: von der heterosexuellen Norm abweichende Formen) Eggerer/Klein 1996, 103) wird als fester Bestandteil urbaner Lebensformen zugrundegelegt. Die spektakulären, auch vom Mainstream erkannten exotischen Formen von „Drag“ (der männlichen Transformation zur Frau), trivialisiert in der Travestie, sind hier nur bedingt von Interesse.

„… still the over-all and dominating image of gay men are images of men in women’s clothes, but popular dragging-up like comedies is something that straight men might secure and undermine their masculinity with.“ (Simpson 1999, 6, siehe auch Dany 1996, 106)

Nicht nur die Studien über den Markt der schwulen Verbraucher zeigen, dass die Einengung des schwulen Lebens auf den tuntigen Exotenstatus ungerechtfertigt ist, da dieses eine große Bandbreite aufweist bis hin zu hyperbürgerlich-konservativen Zügen. Dieser Beitrag versucht, die ästhetischen Spuren von „Gayness“ im Mainstream nachzuweisen. Er sucht die Stellen, wo es unsichtbare Überlagerungen gibt. Die Betrachtung der Repräsentationsbilder des männlichen Körpers in der Werbung soll diese zum Vorschein bringen. Das Körperbild bietet die Projektionsfläche, auf der sich homo- und heterosexuelle Selbstbilder überkreuzen. Bisher wurden, fernab einer einst unsichtbaren Subkultur, Motive und Repräsentationen schwulen Lebens nicht offensichtlich. Ausnahmen stellen das System Kunst, das auch schwule Bohemiens und bisexuelle Lebensstile beheimaten kann, wie Warhols Factory ab 1964 (Heiser 1996, 53), und das im Zusammenhang von Pop peripher rezipierte Schnittmengen-Prinzip „Camp“ (zur Definition von…

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von Birgit Richard

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