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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 375 - 376
Ausstellungen: Düsseldorf , 1989

Heinz-Norbert Jocks
Geschriebene Bilder

Galerie Elke und Werner Zimmer, 6.4.-18.5.1989

Was die in dieser Ausstellung vereinten Maler miteinander verbindet, ist der vergleichbare psychologische Ausgangspunkt ihres Künstlertums. Sie sind Aussteiger, die, indem sie alles Erlernte, Akademische, Konventionelle aus ihrem Werk ausschieden, mit seltener Radikalität zu den Wurzeln des künstlerischen Schaffens vorgedrungen sind. Arnulf Rainer, der seine Kunst so gerne als zerstörende Übermalung anderer Bilder zelebriert und hier das Auge des im Seitenprofil gezeigten, zaudernden Goethe mit nervösen Linien attackiert; Emil Schumacher, der ein altes, handgeschriebenes Manuskript aus der Amtstube mit Hilfe tiefblauer Flecken und zarter, an den Umriß eines Kopfes erinnernder Linien in die vermeintliche, kostbare Niederschrift eines Dichters verwandelt; K.R.H. Sonderborg, der in seiner Zeichnung von 1962 einen Seh- und Hörvorgang in die Komposition labyrinthisch ineinanderverschlungener Linien überträgt, wobei sich breite, tiefschwarze, im Vordergrund plazierte, zudem sich wiederholende, rundgeformte Zeichen mit feinen, ebenfalls wiederkehrenden Zickzack-Linien, dicken Punkten, Strichen, Spiralen verbinden; Walter Stöhrer, dem der aus dem Zusammenhang gerissene, zügig hingeschriebene Satz „Es gibt eine Schwärze im Zentrum wenn Du sie suchst“ des 1966 verunglückten Lyrikers Frank O`Hara als eine in den Bildorganismus eingebundene Starthilfe für eine Figuration dient; Hann Trier mit seinem Lob der in breitem Schwarz hingetuschten Wörter, die, weil nicht zur Bildung klarer Satzkonstruktionen verdammt, als unlesbare Strichzeichen eingesetzt werden können, aus denen ein abstrakter, poetischer Organismus von schwebender Eleganz wächst; Gerhard Hoehme, dem es, als Zeichner auf das Gewicht beladener Wörter verzichtend, um die von der italienischen Sonnenlandschaft inspirierte Leichtigkeit entmaterialisierter Schriftzüge geht, – alle führen sie uns eine…


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