Ausstellungen: Rivoli/ Turin , 2010

Uta M. Reindl

Gianni Colombo

»Ein Pionier des partizipatorischen Kunstwerks«

Museo D´Arte Contemporanea – Castello di Rivoli bei Turin, 16.9.2009 – 5.4.2010

Anders als die Minimal Art fand die kinetische Kunst nie wirklich große Anerkennung. Dabei hatte sie, die nach 1964 Op Art genannt wurde, eine beachtliche internationale Resonanz: Künstlergruppen experimentierten in Lateinamerika, in den USA und in Asien mit den künstlerischen Möglichkeiten der Kinetik. Darunter die Lateinamerikaner Lygia Clark und Hélio Oiticica oder der US Amerikaner Robert Smithson, der Japaner Atsuko Tanaka oder der Chinese wie Li Yuan-Chia. In Europa lagen die Zentren kinetischen Kunstschaffens tendenziell in Deutschland, Frankreich und Italien. Gianni Colombo aus Mailand zählt zu den Pionieren der interaktiven Kinetik, die nämlich den Betrachter körperlich mit in das Kunstgeschehen einbeziehen sollte. Der 1937 geborene Italiener gründete 1959 mit Giovanni Anceschi, Davide Boriani, Gabriele Devecchi die Gruppe T, die sich mit Spielarten der Programmation, mit räumlichen wie zeitlichen Verfremdungseffekten durch die Kinetik beschäftigten. Und heute, fast 16 Jahre nach dem Tod Colombos hat es wenige Museumsausstellungen von seinem Werk gegeben, scheint er immer noch unterschätzt zu sein.

Die Interimsdirektorin des Castello di Rivoli bei Turin und kommende Documenta-Macherin Carolyn Christov-Bakargiev gemeinsam mit Marco Scotini, dem Kurator des Colombo-Archivs, hat nun dem italienischen Künstler eine retrospektiv angelegte Ausstellung gewidmet, die mit 100 Exponaten die Schaffensperiode zwischen den fünfziger und siebziger Jahren fokussiert. Chronologisch sind die Werkgruppen in dem schlauchartigen Ausstellungssaal des Museums für zeitgenössische Kunst im Schloss hoch über Rivoli installiert. Den Auftakt liefern monochrome Reliefbilder aus den Fünfzigern, die an Lucio Fontana denken…

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von Uta M. Reindl

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