Ausstellungen: Bregenz , 2015

Hans-Dieter Fronz

Joan Mitchell

»Retrospective. Her Life and her Paintings«

Kunsthaus Bregenz, 18.7. – 25.10.2015

Künstler ist man ein Leben lang – oder gar nicht. Wie überall gibt es Ausnahmen, auch bei den ganz Großen: Brahms, der sich mit Anfang sechzig in den Ruhestand verabschiedete, wäre ein Beispiel. Die Regel aber zeitigt ein Phänomen, das sich quer durch die Künste und Epochen zieht: die Exzeptionalität des Spätwerks. Phänomenale Alterswerke finden sich bei Künstlern von Michelangelo über Rembrandt bis zu Renoir und Picasso. Der Grund liegt auf der Hand. Vertiefte geistige Produktivität speist sich aus einem Prozess der Verdichtung, Verfeinerung und Anhäufung – auch von technischen Fähigkeiten. Je reicher die Erfahrung, je souveräner die Beherrschung der Mittel, je gesättigter die Wolke künstlerischer Möglichkeiten – desto machtvoller der schöpferische Funke, den das künstlerische Ingenium schlägt. Desto leuchtender der Blitz der Eingebung.

Das Spätwerk von Joan Mitchell zählt zu dieser Gruppe. Die Tochter eines Ingenieurs war vielseitig begabt, schrieb im Kindesalter Gedichte und hatte Talent fürs Eiskunstlaufen. Am Ende jedoch studierte sie in Chicago, wo sie 1925 geboren wurde, Kunst – und fand in New York, wohin sie nach einjährigem Stipendiatenaufenthalt in Paris 1950 zog, früh Anerkennung für ihre abstrakte Malerei. Zu der hatte sie nach einer figürlichen und kubistischen Phase an der Seine gefunden. Noch keine dreißig, zählte sie – trotz des vernichtenden Urteils des prominenten Kunstkritikers Clement Greenberg über ihre Malerei – zu den wichtigsten Künstlern der zweiten Generation der New York School der Abstrakten Expressionisten. Die Teilnahme an der documenta 2 im Jahr 1959 war…

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von Hans-Dieter Fronz

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