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Ausstellungen: München · S. 396 - 396
Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan
Karl Bohrmann

„Collagen“

Galerie Bernd Klüser, 11.4.89-6.5.89

Die Collage“, schreibt Karl Bohrmann in seinen Notizen 1972 – 1986, „die Collage ist für das Stilleben prädestiniert. Wie Gegenstände kann man bei der Collage die Schnipsel auf der Fläche umherschieben, in einer bestimmten Konstellation festkleben, welche dann immer zugleich suggeriert, daß sie auch andere sein könnten…Im gelungenen Fall sind diese gleichermaßen real wie verfremdet.“ Bernd Klüser zeigt 42 solcher geklebten Blätter (von 1986 bis 88), die mit rissigen Rändern, flüchtigen Zeichenstrichen und allen möglichen Bildzitaten aus dem Zettelwust des Alltags verblüffend wirkliche Imaginationen auslösen. Lange vor Lyotards Sprach-Bild-Verschränkungen, Derridas Differenz der Zeichen oder Lacans analytischer Psycho-Linguistik führte Karl Bohrmann, Jahrgang 1928, in seinen Collagen, Zeichnungen und Fotografien eine Kunst des Kommentars vor Augen. Er fertigte Fotos, die man anschaut und vergißt, daß man sie anschaut, Zeichnungen, die zu denVoraussetzungen, den Bedingungen des Zeichnen hinfinden, „dem Grund, warum ich zeichnen möchte“ (Bohrmann), Bilder, die nicht nur Bilder, sondern vor allem betrachtete Bilder sind, „Collagen: Fetzen als Bilder angesehen, Fetzen, die die Welt bedeuten.“

Bohrmann arbeitete in den 60er Jahren in München, er lebt aber nach Stationen in Frankfurt und Amsterdam, zurückgezogen in Köln. Das Münchner Lenbachhaus ehrte den damals 52jährigen vor neun Jahren mit einer Retrospektive seiner Radierungen, Zeichnungen und Collagen aus den Jahren 1950 bis1980. Der legendäre Günther Franke stellte den gebürtigen Mannheimer aus, später gehörte er zum Programm von Schellmann und Klüser, der ihn kontinuierlich präsentierte.

Als Künstler lehrt Bohrmann Welt sehen, er läßt Kraft und Zartheit des Sichtbaren spüren. Allkarten, Briefkuverts, Fotopostkarten, Fundstücke…


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