Magazin: Publikationen , 1998

Keine Angst vor Kunst

Trotz hoher Besucherzahlen bei Großausstellungen wie der „documenta“ oder der „Biennale Venedig“ herrscht bei großen Teilen des Publikums Ratlosigkeit gegenüber den Strukturen des Kunstmarkts: zu undurchsichtig sind die Vorgänge, die einen Künstler über Nacht zum Shooting-Star werden lassen oder die bei Auktionen zu Rekordergebnissen führen.

Deshalb ist der Kölner Galerist Heinz Holtmann angetreten, mit seinem Buch „Keine Angst vor Kunst“ umfassende Einblicke in die Marktmechanismen und in die Insiderstrukturen zu bieten. Das bedeutet auch und zunächst einmal Abwehr von Vorurteilen, wenn selbst ein renommierter Autor wie Hans Magnus Enzensberger gegen die aktuelle Installationskunst als „Erinnerungen an die Hinterlassenschaften schlecht ausgebildeter Klempner“ polemisiert, wie Holtmann mit einiger Verwunderung über Enzensbergers Auffassung notiert (S. 28). Deswegen nimmt auch die Aufklärung über die „Meilensteine der Moderne“ breiten Raum ein: In seiner anschaulichen Darstellung der Kunstentwicklung nach 1945 apostrophiert Holtmann ZERO als „die erste und bislang einzige große Avantgardebewegung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, die revolutionär zu nennen ist“.

Wo Holtmann solche Wertungen vornimmt, muß man ihm bescheinigen, daß er dies mit der nötigen Distanziertheit tut, unter strikter Vermeidung einer Focussierung auf sein eigenes Galerieprogramm. Daß er aber auch hier und da berufsständische Interessen durchscheinen läßt, ist durchaus legitim: von Direktkäufen im Künstleratelier rät er als Galerist natürlich ab („Wie soll ein Maler oder Bildhauer in Ruhe arbeiten, wenn in seinem Atelier ständig Leute herumstöbern?“, S. 82). Im Abschnitt über die Art Consultants muß er selbstkritisch einräumen, daß diese „ein Feld fruchtbar gemacht haben, das die Galeristen sträflich vernachlässigt hatten“, nämlich Firmeninhaber…

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