Magazin: Publikationen · von Jochen Becker · S. 501
Magazin: Publikationen , 1998

Stuck & Feinkost

Jürgen Friedrichs/Robert Kecskes (Hg.) »Gentrification«

Im Ostberliner Trendbezirk Prenzlauer Berg wanderten innerhalb von sechs Jahren knapp die Hälfte der insgesamt 145.000 BewohnerInnen ab, doch etwa ebenso viele zogen hinzu. Nach einer Studie des Berliner Politologen Matthias Bernt nahm dabei der Anteil von Älteren und Kindern merklich ab, wohingegen der Anteil junger Erwachsener mit höherer Bildung und höherem Einkommen mit Hang zum Single-Haushalt wuchs. Rund um den Kollwitzplatz verschwinden die kleinen Läden und öffnen hochpreisige Restaurants. Selbst Bundesbauminister Töpfer würde am liebsten hierhin ziehen. Diese vielgestaltigen Prozesse im weit über Berlin hinaus als besonders attraktiv empfundenen Stadtteil lassen sich unter dem Fachbegriff ‚Gentrification‘, ein seit etwa zehn Jahren in der bundesdeutschen Stadtsoziologie vielgebrauchter Beschreibungsmodus innerstädtischer Aufwertung von Wohnquartieren, zusammenfassen.

In den USA seit Ende der 70er Jahre ein Thema, ist die „Aufwertung innerstädtischer Wohngebiete (Gentrification)“ nun auch in der Bundesrepublik spätestens mit der 1988 erschienenen ersten deutschen Studie von Jürgen Friedrichs und Jens Dangschat „eines der dominierenden Themen der Stadtsoziologie“, schreiben die beiden Herausgeber des Nachfolgebuches Friedrichs/Kecskes im Vorwort. Ihr Sammelband mit dem schlichten Titel ‚Gentrification – Theorie und Forschungsergebnisse‘ versteht sich selbst eher als Lückenfüller – so werden erstmals ostdeutsche Städte (Magdeburg, Erfurt) erfaßt – und will auch keine detaillierte Einführung bieten. Vielmehr soll als ‚Übersetzung‘ und ‚Lokalisierung‘ aus dem Amerikanischen der Gentrification-Prozeß hinsichtlich bundesdeutscher Muster untersucht werden. Zwar werden hierbei auch widersprüchliche Phänomene deutlich, doch Widerstandsformen der AnwohnerInnen gegen Aufwertungsprozesse ignoriert das Buch völlig.

„Gentrification ist der Austausch einer statusniedrigen Bevölkerung durch eine statushöhere Bevölkerung in einem Wohngebiet“, so Friedrichs,…

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