Nachrichtenforum: Kulturpolitik , 1998

Köln: Kulturkrise

Noch zu Beginn des letzten Wintersemesters hatte der Kölner OB Norbert Burger 6000 neuen Studenten die urbane Qualität der Domstadt mit den Worten angepriesen, Köln sei eine Weltmetropole der Kunst. Ein halbes Jahr später jedoch stellt sich die kulturpolitische Situation als ein Scherbenhaufen dar.

Die Kulturdezernentin Dr. Kathinka Dittrich van Weringh hatte in einer Sondersitzung des Kulturausschusses entnervt das Handtuch geworfen: „Alle von mir betriebenen Maßnahmen werden nicht ausreichen, um die Kulturlandschaft zu erhalten. Das Rationalisierungspotential in allen Bereichen ist ausgeschöpft.“ Dem Stadtrat blieb in seiner Märzsitzung nichts anderes übrig, als ihren Rücktritt zum 1. April anzunehmen.

Ständige Etatkürzungen und Haushaltssperren hatten die Museums- und Theaterlandschaft gründlich ramponiert und die Dezernentin schließlich zermürbt. Hinzu kam schließlich noch ein Eklat um eine verpatzte Opern-Premiere als Höhepunkt der kulturpolitischen Krisenentwicklung.

Im Januar war ein 160 Seiten starkes Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey veröffentlicht worden. Dieses führte der interessierten Öffentlichkeit die finanzielle Situation der Kölner Museen drastisch vor Augen: Um nämlich mit dem kommunalen Zuschuß von jährlich 35,9 Mill. DM auszukommen, müßten alle Museen zusammen 1999 mindestens 1,4 Mill. DM einsparen und darüber hinaus bis 2024 pro Jahr 2,6 Mill. DM weniger ausgeben.

Die von McKinsey empfohlenen Erhöhungen der Eintrittsgelder in vier Museen und vermehrte Aquirierungen von Sponsorengeldern wären jedoch nur flankierende Maßnahmen zur Behebung der tiefgreifenden Finanzmisere. Darüber hinaus seien nämlich auch prinzipielle strukturelle Veränderungen vonnöten, um den Wunsch nach größerer Effizienz zu verwirklichen. Die Studie rät zu Personalabbau, Kürzungen an Fremdleistungen sowie zu einer Steigerung der Besucherzahlen durch stärkere Ausrichtung am Publikum (z.B. durch Sonderausstellungen…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang