Magazin: Symposien & Kongresse · von Carl Friedrich Schröer · S. 478
Magazin: Symposien & Kongresse , 1998

Carl Friedrich Schröer

Künstlergärten Weimar

Medium Vegetation

Es gehört heute zum sicheren Bildungsstand, der Landschaftsgarten stelle Landschaft zwar mit natürlichen Mitteln dar, sei aber ein Kunstwerk. Solche „Gartenkunst“ erhielt in einer Epoche mächtigen Auftrieb und Aufwertung, in der sich Künstler von der Gestaltung der Gärten mehr und mehr verdrängt fühlen mußten. Professionelle Gartengestalter oder vermögende Dilletanten machten den Künstlern eine Kunstgattung streitig, die zunehmend Beachtung und Aufträge versprach und im Wettstreit der Künste bald eine führende Rolle beanspruchte. Der Lehrplan der ersten professionellen Ausbildungsstätte für „Gartenkünstler“ – jene „Königliche Gärtner-Lehranstalt zu Schöneberg und Potsdam“, 1823 auf Initiative des königlich-preussischen Garten-Direktors Peter Joseph Lenné gegründet – sah einen vierstufigen Ausbildungsplan vor. Eleven der ersten beiden Lehrjahre nannten sich „Gärtner“, im dritten anvancierte der Lehrling zum „Kunstgärtner“, Ziel und Abschluß im vierten Jahr lautete „Gartenkünstler“. Damit war es amtlich: Auch diplomierte Gärtner durften sich Künstler nennen. Ist seitdem die „Grüne Kunst“ eine Kunst ohne Künstler?

Das Terrain scheint bis heute verteilt. Entweder – zumal bei öffentlichen Aufträgen – sind es Landschaftsarchitekten, die die kreative Arbeit besorgen. Oder – bei privaten Gärten – ist es ein Reservat des persönlichen Geschmacks geblieben, was hinter dem Jägerzaun gedeihen darf. Zwischen Ingenieurskunst, Hobby und Kitsch bleibt für Kunst kaum Platz – folglich haben die Künstler das Weite gesucht. Die weitgehende Abstinenz bildender Künstler von der „Grünen Kunst“ hat Ursache: Entweder man hatte es mit professionell besetztem oder mit ästhetisch (bisweilen auch ideologisch) verseuchtem Terrain zu tun.

Über einen Umweg finden Künstler allmählich wieder Gefallen am Thema Garten. Als Mitte der sechziger…

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