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Ausstellungen: Essen · von Alexander Braun · S. 348 - 349
Ausstellungen: Essen , 2002

ALEXANDER BRAUN
Laurie Simmons

Galerie 20.21, Essen, 16.2. – 27.4.2002

Irgendwann in den frühen 70er Jahren fährt Laurie Simmons, 1949 auf Long Island geboren, durch die Catskills und gerät in der Kleinstadt Liberty in den Ausverkauf eines Spielzeugwarengeschäfts. Dort erwirbt sie für wenig Geld all jene Dinge im Überfluss, die sie an ihre Kindheit in den 50er Jahren erinnern: Miniaturpuppen in Tweedkleidung – noch ganz ohne Synthetik und Kunsthaar -, das ordentlich gescheitelte Haar als Teil der Gussform, Miniaturmöbel, Puppenhäuser. Ohne wirklich zu wissen, was sie damit anfangen soll, hortet sie die Sachen daheim, bestreitet mit ihnen diverse Umzüge bis sie schließlich nach ihrem Studium in Philadelphia nach New York zurückkehrt, um Künstlerin zu werden. Das sentimentale Kindheitsgepäck ist immer dabei. Nach dem Besuch einer Ausstellung mit Fotoarbeiten von Jan Dibbets in der Galerie Sonnabend (1973) kehrt Simmons mit der revolutionären Erkenntnis zurück, dass es nicht unbedingt einer großformatigen Kamera auf einem schweren Stativs bedarf, um Fotokünstler(in) zu werden. (Ein Mitarbeiter der Galerie verriet der jungen Frau, dass Dibbets seine Fotos im Drugstore an der Ecke hatte entwickeln lassen: Das Konzept obsiegte im Konkurrenzkampf mit der technischen Perfektion.) Wieder daheim erinnert sich Simmons ihres vielfältigen Spielzeugsortiments. So beginnt sie häusliche Szenen nachzustellen und diese mit einer Kamera zu dokumentieren. Es entsteht die umfassende Bestandsaufnahme eines selbst inszenierten Mikrokosmos‘. Im Ergebnis handelt es sich um handgroße Schwarzweiß-Fotografien, die sich innerhalb einzelner Motivsequenzen z.T. nur minimal in Perspektive und Bildausschnitt unterscheiden. Dieses nachhaltige Insistieren auf einem bestimmten Teil des Interieurs, das Immer-Wieder-Zeigen eines einzelnen…


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