Ausstellungen: Turin · S. 415
Ausstellungen: Turin , 1989

Doris von Drathen

Luciano Fabro

Castello di Rivoli, 28.6.-17.9.1989

Als Alberti von den angehenden Architekten in der Renaissance forderte, sie sollten architektonische Proportionen von den Proportionen des menschlichen Körpers ableiten, war er sich dessen bewußt, eine der wichtigsten Regeln der Antike wieder lebendig zu machen.

Wenn Luciano Fabro sich mit den Regeln von Euklid auseinandersetzt, ist er sich dessen bewußt, in der Geometrie nach den geheimen Gesetzmäßigkeiten des Lebens und der Natur zu suchen. Ähnlich wie Jannis Kounellis mit seiner Alchimie oder Mario Merz mit seiner Fibonacci-Reihe arbeitet Fabro phänomenologisch und entwickelt sein Werk in kleinen konzentrierten Einkreisungen.

In der großen Retrospektive gilt wie in keiner anderen Ausstellung Fabros Notiz zu seiner Arbeit „Penelope“ (1972): „Alles ist geordnet, geregelt. Jeder Punkt ist mit einem anderen verbunden, und alle Punkte sind untereinander verbunden. Jeder Faden ist symmetrisch im Hinblick auf einen anderen und asymmetrisch im Hinblick auf ebenso viele andere. Nadeln, durch die die Fäden laufen, verhalten sich zu den Fäden wie das Ei zur Henne, der Zweig zum Baum, der Vogel zur Luft, die Iris zum Licht, der Wein zum Gast, die Maus zur Katze, der Heilige zur Ewigkeit, die Angst zu den Beinen, die Haare zum Wind, die Ente zur Orange. Die Kunst kann man nur ahnen.“

Raum an Raum beweist Fabro seine 20 Jahre lang geübte Kunst, Dinge so zu installieren, daß sie einander antworten, Beziehungen herzustellen zwischen den Wänden und den Dingen, wenn er etwa gerade das mit Kupferband lose umwickelte Drahtkreuz aus der Arbeit „Christo, Buddha e Maometto“ (1981) gerade der Türeinfassung…

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