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KUNSTFORUM-Serie: 100 Jahre Joseph Beuys · von Martin Blättner · S. 325 - 327
KUNSTFORUM-Serie: 100 Jahre Joseph Beuys ,

MÜNCHEN
Zeige deine Wunde: Plastiken und Environments aus der Sammlung Lothar Schirmer und dem Lenbachhaus

Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 13.10.2020 – 30.01.2022
von Martin Blättner

 

Die von Joseph Beuys selbst als „Krankenzimmer“ bezeichnete Installation „zeige deine Wunde“ mit zwei Leichenbahren im Raum hat im zweiten Jahr der weltweiten Pandemie als Memento-Mori-Motiv eine unerwartet schreckliche Aktualität bekommen. Der Tod ist allgegenwärtig in den Kliniken und in München wurde 2020 in Deutschland die erste Corona-Infektion registriert. Gleichwohl ging es Beuys nicht um eine Bestandsaufnahme vom tristen Endstadium, sondern seine Intention ging darüber hinaus.

Die Konfrontation mit dem Tod spielt auf den Zustand einer kranken Gesellschaft an, die aber mit der entsprechenden Therapie geheilt werden könne. Zugleich hat das Werk den erkennbar christlichen Bezug, aus der Verletzung eine Stärke zu machen und die Wundmale zu erkennen. Die Erwerbung 1979 wurde kontrovers diskutiert. Vom „teuersten Sperrmüll aller Zeiten“ war die Rede. Inzwischen ist aber der „erweiterte Kunstbegriff“ nicht nur längst im allgemeinen Sprachwortschatz der Kunst verankert, sondern hat auch die Sichtweise auf die Bedeutungen der Ästhetik verändert. Zentraler Bestandteil sind also die paarweise angeordneten Leichenbahren aus der Pathologie, darüber Lampen mit spärlichem Licht. Darunter mit Fett gefüllte Blechkästen, darauf je ein Thermometer, ein Reagenzglas mit einem skelettierten Amselschädel, davor ein Einmachglas – nach der Lesart von Beuys haben Fett und Wärme heilsamen Charakter.

Die an zwei weißen Holz tafeln gelehnten Werkzeuge („Schepser“) und die zwei Feldzeichen (Forken), die auf der kleinen Schiefertafel stehen und auf denen Beuys zwei Halbkreise eingeritzt hatte, deuten auf eine unvollendete oder noch…

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