Ausstellungen: Hong Kong · von Edgar Schmitz · S. 293
Ausstellungen: Hong Kong ,

Hong Kong

MURAKAMI vs MURAKAMI

Tai Kwun Contemporary 01.06.– 01.09.2019

von Edgar Schmitz

In Herzog und de Meurons elegant großzügigen Räumen ist mit dem Überblick über Murakamis Werk bei Tai Kwun mitten in Hong Kong eine Art Portrait entstanden. Natürlich ist die Ausstellung ein überwältigender Gesamtangriff auf visuelle Reize, ein über-inszeniertes Repertoire Murakamis global erkennbarer Markenzeichen, seiner Logos und dem asiatischen Kitsch entliehenen Motivketten.

Die Blumen kleiden ganze Räume aus, werden zu Mustern verarbeitet und entziehen sich in ihren Variationen immer wieder knapp dem rein dekorativen. Und was sich noch als Bilder bezeichnen lässt, tritt hier mal als handgemalte Tapete auf und mal als Teppich, der die Muster nicht aufgreift, sondern vielmehr einfach weiterführt, weil hier schon lange keine verlässlichen Grenzen zwischen den verschiedenen Graden und Stufen künstlerischer Arbeit mehr abrufbar sind.

Das ist erstmal der Murakami, der das Generationsmotiv des superflat erfand und immer schon in grafischen und skulpturalen Formeln mit dem Spiel zwischen Hochkunst und Jugendkultur kokettierte. Und das ist auch der Murakami, der als Firma funktioniert, der das Logo für Louis Vuitton neu erfinden durfte, und dessen Merchandise im Museumsladen sofort ausverkauft war. Der Laden war ziemlich schnell einfach leer, und gerade damit sofort symptomatisch.

Murakami stammt aus der Endschleife einer Pop-Generation, die das Spiel mit Affirmation so auf die Spitze trieb, dass sich im Gegenzug notwendig immer wieder das Allegorische aufdrängte – Kunst, die Modelle von Kunst umspielt, Absagen an Kritik, die genau in dieser Absage immer wieder die Frage nach der Kritik ausreizen. Murakami kommt aus dem Moment eines immer noch fast-allegorischen…

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