Kunstforum-Gespräche , 2010

Pluralismus war mir schon immer zuwider

Benjamin H.D. Buchloh im Gespräch mit Georg Imdahl

Benjamin H.D. Buchloh, geboren 1941 in Köln, ist Franklin D. and Florence Rosenblatt Professor of Modern Art an der Harvard University. 2009 war er Fellow an der American Academy in Berlin. Buchloh ist Autor zahlreicher Monografien über zeitgenössische Künstler, darunter Gerhard Richter, Marcel Broodthaers, Carl Andre und Dan Graham.

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Georg Imdahl: Herr Professor Buchloh, der Band „Art since 1900“, den Sie 2004 mit Yve-Alain Bois, Hal Foster und Rosalind Krauss veröffentlicht haben, handelt von „Modernism, Antimodernism, Postmodernism“ im 20. Jahrhundert.1 Der Modernismus-Begriff ist darin ungewöhnlich weit gefasst: Hannah Höch wird zum Beispiel ebenso wie Klimt und Schiele modernistisch genannt, unter dieser Flagge laufen, implizit oder explizit, auch Duchamp und der Dadaismus, Mondrian und Malewitsch, alles Neue kurz nach 1900 ist modernistisch. Wovon sprechen Sie, wenn Sie von Modernismus sprechen?

Benjamin H.D. Buchloh : Die Modernismus-Debatte ist ungemein kompliziert, und sie wird in Amerika anders geführt als in Europa. Und noch komplizierter wird es, wenn wir über die Postmoderne sprechen, was ich eigentlich normalerweise vermeide. Die in Amerika gängige Modernismus-Definition beginnt für die meisten – so für Timothy Clark – mit Manet oder mit Courbet, für andere ebenso wichtige Sozialgeschichtler der Kunstgeschichte wie Thomas Crow mit Jacques-Louis David. Die gängigste Definition ist in der Tat, um 1865 damit anzufangen. Unser Buchprojekt war aber von Anfang an als 20. Jahrhundert-Projekt definiert, es ist kein Modernismus-Projekt. Warum Hannah Höch und Duchamp und Mondrian side by side in einem Rahmen, der sich…

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