Ausstellungen: Frankfurt am Main · von Christian Huther · S. 335
Ausstellungen: Frankfurt am Main , 2009

Christian Huther

Superman und Golem.

»Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung«

Jüdisches Museum, Frankfurt/Main, 18.12.2008 – 22.3.2009

Superman beendete den Zweiten Weltkrieg nach nur sechs Monate im Februar 1940. Der Comic-Held mit dem wehenden Umhang schnappte sich erst Adolf Hitler, dann Josef Stalin und zerrte sie vor ein Völkerbund-Tribunal, das die beiden kurzerhand verurteilte. Nach zwei Heftseiten war Supermans Mission beendet. Die wahre Geschichte verlief ganz anders, wie wir wissen. Zumindest jedoch entwarfen Joe Shuster und Jerry Siegel, die Superman zwischen 1934 und 1938 entwickelt hatten, für das amerikanische „Look Magazine“ eine Vision, satte 20 Monate vor der US-Kriegserklärung an Deutschland. Die deutsche Reaktion auf Supermans Auftritt fiel entsprechend harsch aus. „Das schwarze Korps“, ein besonders übles Nazi-Blatt, hetzte gegen die beiden jüdischen Comic-Zeichner als „körperlich und geistig Beschnittene“ und brandmarkte ihren verderblichen Einfluss auf Amerikas Jugend.

Tatsächlich waren damals in der aufblühenden US-Comicbranche zahlreiche jüdische Immigranten oder bereits deren Kinder tätig. Sie hielten sich mit kreativen Tätigkeiten über Wasser und konnten trotz bescheidener Sprachkenntnisse brillieren. Möglicherweise bannten sie, selbst eine Minderheit in der US-Gesellschaft, ihre Ohnmacht durch die Erfindung scheinbar omnipotenter Helden. Eine doppelte Verkehrung der tatsächlichen Umstände – die Helden als Ohnmachtsphantasien oder Kompensationen eigener Erfahrungen. Und diese Helden verschleierten oft ihre wahre Identität, richteten sich in einer Doppelexistenz zwischen Normalbürger und Überflieger ein. Das Ich ist ein Anderer, wie bei den Immigranten.

Nach und nach versuchten sie jedoch auch die jüdische Geschichte und später sogar den Holocaust zu thematisieren. So entwickelte sich der Comic allmählich zu einem „Medium jüdischer Erinnerung“. Diesen Wandel von…

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