Ausstellungen: München · von Heinz Schütz · S. 330
Ausstellungen: München , 2006

Heinz Schütz

Thomas Struths „Audience“

»Der Kunstblick«

Galerie Rüdiger Schöttle, München, 29.10. 2005 – 23.12.2005

Bekannt sind die seit Ende der achtziger Jahre entstandenen Museumsfotografien von Thomas Struth. Sie zeigen Ausstellungsräume mit Besuchern vor den Exponaten. Unter kontextualistischer Perspektive werden hier Architektur, Kunst und Publikum gleichermaßen thematisch. Die apparative Optik der Fotokamera, die sich grundsätzlich um ontologische Differenzen nicht kümmert, hebt die Realität des Publikums und das Mimetische der Kunst auf eine gemeinsame optische Ebene. In Struths früheren Museumsfotos richtet sich die Kamera vom Standpunkt fotografischer Transzendenz, wie das registrierende, an- und doch abwesende „Auge Gottes“, von außen auf die Ausstellungssituation und die in ihr agierenden Besucher. Anders hingegen funktioniert die neue, im Jahr 2004 produzierte und nun erstmals in Deutschland präsentierte Fotoserie „Audience“.

Die Kamera ist jetzt gleichsam in das Geschehen involviert und das vom Kunstpublikum betrachtete Kunstwerk bleibt für die Betrachter von Struths großformatigen Fotos unsichtbar. Die Abwesenheit des Kunstwerks im Foto erzeugt ein Enigma. Der Betrachter ist mit einer fotografierten Menschenansammlung konfrontiert, die vor ihm, in respektvoller Distanz, den Blick über ihn hinweg auf ein, wie es scheint, ungeheueres Ereignis richtet. Vergleichbare kollektive Blicke begegnen bei Naturschauspielen oder in Sciencefiction- Filmen, wenn sich Aliens am Himmel tummeln. Religiös fundierter Aberglauben verknüpfte mit derartigen Nach-oben-Blicken wohl himmlische Zeichen und Wunder. Was fesselt die Aufmerksamkeit von Struths „Audience“?

Das Enigma des anvisierten Unsichtbaren lässt sich über die architektonische Situation entschlüsseln. Was auf den ersten Blick wie ein Kirchenraum erscheinen mag, entpuppt sich zumindest dem Kenner, bei näherem Hinsehen und im Rückgriff auf den im Fototitel…

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