Magazin: Publikationen , 1997

Christiane Fricke

»Wat is dat?«

ZKM/Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (Hg.),

»artintact 3«, CD-ROMagazin interaktiver Kunst

Ach du lieber Gott“. Kairos war mir gnädig und bescherte mir diesen Treffer per Maus-Klick auf eines von zahllosen, für Sekundenbruchteile aufblitzenden Ikons. Überall tauchen sie auf, nur nicht dort, wo man sich mit dem Maus-Pfeil auf die Lauer gelegt hat. Ken Feingold weiß, wie man sein Publikum zum Wahnsinn treibt. Jimmy Charlie Jimmy, die Attrappe eines Bauchredners, blickt mich aus starren Augen an. Ich erwische die spanische Flagge: „L’ho compro“ entfährt es seinem brabbelnden Maul. Aha, dies scheint der richtige Weg. Doch welch ein Trugschluß. Eine halbe Stunde später reagiert JCJ auf dieselbe Flagge mit einem „Ach du lieber Gott“. Das Spiel, das auch Kunst heißt, beginnt Spaß zu machen.

In Ken Feingolds „JCJ-Junkman“ (1995) vernimmt man ein unerschöpfliches Repertoire von Stimmen, Sprachen und kakophonischem Quatsch, und noch immer wartet man insgeheim auf eine zündende Eingebung, auf die ultimative Erkenntnis. Professionelle Zapper und Surfer haben längst begriffen, daß sie sich auf einer Müllhalde befinden. Weniger Erfahrenen ist eher damit gedient, sich möglichst unvorbelastet mit dem zu befassen, was der Müllmann an Schrott zu bieten hat. Welche Entdeckungen lassen sich da machen, gesetzt den Fall, man läßt sich nicht „von einem alten und weisen, klassischen, langsamen, zur Kontemplation auffordernden Medium“ (Astrid Sommer, Red. artintact 3), dem Katalogbuch, den Spaß verderben.

Wer genug hat vom Spielen im endlosen „Kreislauf des Schrotts“ (Erkki Huhtamo), ist gut beraten, wenn er zuvor die Info-Datei „Liesmich.txt“ ausgedruckt hat. Feingold macht uns den Ausstieg nicht…

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von Christiane Fricke

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