Band 281
[sýn] Zusammen [bíos] Leben.
Kunst des Miteinanders als globale Überlebensstrategie
Pandemie und Klimawandel – und nun der verheerende Krieg in der Ukraine: Gefragt sind konkrete Handlungsoptionen und neue Kulturkonzepte. Wie kann Kunst, wie können Ausstellungspraxis und ästhetische Theorie wegweisende Resonanzrä ...
Pandemie und Klimawandel – und nun der verheerende Krieg in der Ukraine: Gefragt sind konkrete Handlungsoptionen und neue Kulturkonzepte. Wie kann Kunst, wie können Ausstellungspraxis und ästhetische Theorie wegweisende Resonanzräume öffnen? Denkfiguren der Wechselseitigkeit und Verwobenheit haben aktuell Konjunktur. Die symbiotische Verflechtung von Baumwurzeln und Pilzen – das Wood Wide Web – ist beispielhaft in den Blick getreten. Und die Ansicht von einer „Verwandtschaft der Arten“ rührt an tradierte Auffassungen einer Hierarchie der Lebewesen, an deren Spitze üblicherweise der Mensch steht. Doch taugt das Modell einer glückenden Symbiose als Ausweg aus übersteigertem Individualismus, kalter Ausbeutung und Zerstörung? Kunst reagiert fordernd auf die enormen globalen Herausforderungen der Gegenwart. Eine Reihe von Großevents wie die Biennalen von Sydney und Venedig, aber auch die anstehende documenta, widmen sich den Ökologien der Gemeinschaft und ihren Verknüpfungen. Grundsätze der Kollektivität reichen dabei in die kuratorische Praxis hinein und bestimmen sie zunehmend. Dieser Band fragt nach Formen der Synthese und des Netzwerks, der Kollaboration und Kooperation, kurz: Es geht um eine Kunst der Weltbeziehung, ihre Möglichkeiten und Grenzen. So diskutiert die neue Kulturstaatsministerin Claudia Roth im exklusiven Gespräch, inwieweit die Kunst an der Modellierung politischer und gesellschaftlicher Fragen mitwirken kann. Agnes Denes, Naziha Mestaoui, Saša Spačal, Miron Schmückle und andere internationale künstlerische Positionen ermöglichen ästhetische Erfahrungen der Verflechtung und Fusion. Ergänzt durch Gespräche und Essays zeigt der Band auf, dass Kunst als Ort der Kritik an gesellschaftlicher Verblendung immer auch ein Spiegel der Gegenwart ist. Schauen wir in diesen Spiegel, stellt sich umso mehr die Frage, ob wir der Natur, der Welt und uns selbst nicht mehr Achtsamkeit und Fürsorge schulden.

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Titelbeiträge
![[<i>sýn</i>] Zusammen [<i>bíos</i>] Leben.](https://d3speutakpkuqn.cloudfront.net/app/uploads/2022/04/13144239/7016941_image_0_541-1-e1649860980568-650x507.jpg)
[sýn] Zusammen [bíos] Leben.
Kunst des Miteinanders als globale Überlebensstrategie

Sympoiesis
Vom Klima zur Achtsamkeit, von der Katastrophe zur Vernetzung

Reworlding
Künstlerische Positionen zur Dezentrierung des Subjekts

Claudia Roth
„Unsere Demokratie lebt von den aufrüttelnden Impulsen der Kunst“

Koexistenzen
Über menschliche und nichtmenschliche Akteur*innen

Reiner Maria Matysik
Der Baum in uns und andere Utopien künftiger Lebensformen

Gabriela Oberkofler / Miron Schmückle
Theoria Cum Praxi – motivische und methodische Symbiosen

Saša Spačal
Symbiosen und planetarische Verflechtungen

Becoming indigenous
Über die Arbeit an neuen Wissensformen in der Kunst

„Wir müssen uns an das Wissen der Indigenen halten, um einen Ausweg aus diesem Schlamassel zu finden.“
Drei Fragen an José Roca, den künstlerischen Leiter der 23. Biennale of Sydney

Naziha Mestaoui
Kollektivität, Grossevents, Nachhaltigkeitsziele – neoliberale Formen der Interaktion

Walking Forest
Im Kollektiv Geschichte neu schreiben

Pansymbiose
Tier-sein und Tier-werden – Aspekte der Tier-Mensch-Relation

Diana Scherer
Über Riesen, Gaia-Kleider und Anti-Symbiose

Agnes Denes
Vorsicht, kein Gegenmittel! Die Kunst der Ansteckung oder die Paradoxien des Zusammenwirkens





































