Ausstellungen: Berlin · von Jens Asthoff · S. 267 - 268
Ausstellungen: Berlin ,

Berlin

Annette Kelm

Die Bücher

Museum Frieder Burda, Salon Berlin 12.05.– 24.10.2020

von Jens Asthoff

Dass es diese Bilder überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Für ihre Fotoserie „Die Bücher“ begab sich Annette Kelm auf die Suche nach verbliebenen Originalausgaben jener Publikationen – Romane, politische und wissenschaftliche Literatur, Gedichtbände, Kinderbücher –, die die Nationalsozialisten als „undeutsches Schrifttum“ diffamiert und am 10. Mai 1933 in Berlin sowie zeitgleich in 21 weiteren Städten bei propagandistisch inszenierten Bücherverbrennungen zerstört hatten. Der Salon Berlin, Dependance des Baden-Badener Museums Frieder Burda, zeigt derzeit eine Auswahl von 50 Arbeiten aus der bisher gut 100 Bilder umfassenden Werkgruppe. Und es hat durchaus Symbolkraft, dass Kelms Serie gerade dort zu sehen ist, der Ausstellungsort befindet sich im Gebäude der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule in der Berliner Auguststraße.

Die Idee zu der Arbeit entstand Ende 2018, als die Künstlerin von Mirjam Zadoff und Nicolaus Schafhausen zur Teilnahme an der Gruppenausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“ (bis 18.10. 2020) am Münchner NS-Dokumentationszentrum eingeladen wurde. Beim ersten Besuch vor Ort seien ihr „Vitrinen im Untergeschoss aufgefallen, in der Bücher der Sammlung Salzmann standen“, berichtet Kelm. Georg P. Salzmann hatte eine umfangreiche Privatbibliothek mit Werken von im Nationalsozialismus verfolgten Autoren zusammengetragen. Eine Zufallsbegegnung – und ein Impuls, den Kelm künstlerisch aufnahm. „Ich hatte Bücher aus dieser Zeit nie im Original gesehen“, sagt sie. „Wenn von der Bücherverbrennung die Rede ist, wird meistens ein Haufen brennender Bücher gezeigt, und man hört Goebbels’ Feuersprüche. Aber ich wollte die Bücher zeigen, wollte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit von den Tätern auf die Opfer lenken.“

Im Juni…

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