Titel: Entzauberte Globalisierung · von Heinz-Norbert Jocks · S. 118 - 131
Titel: Entzauberte Globalisierung ,

4 — Die Erweiterung der Weltkarte der Kunst

Simon Njami

Die Welt, in der wir leben, kann sich nicht erlauben, nichts über Afrika zu wissen.

Simon Njami, 1962 als Sohn kamerunischer Eltern in Lausanne geboren, ist Schriftsteller, Kurator, Essayist, Kunstkritiker, Spezialist für die afrikanische zeitgenössische Kunst und Fotografie und Mitbegründer der Revue Noire. Neben dem im letzten Jahr verstorbenen Okwui Enwezor ist er einer der ersten Global Player, der die Werke zeitgenössischer Künstler aus Afrika auf die internationalen Bühnen brachte. Von 2001 bis 2071 war er künstlerischer Leiter der Rencontres de Bamako, der Biennale Africaine de la Photographie. Im Jahre 2004 war er Hauptkurator der gemeinsam mit David Elliot und Jean-Hubert Martin konzipierten Ausstellung „ Africa Remix“, eine der wichtigsten Überblicksausstellungen zur afrikanischen zeitgenössischen Kunst in Europa, und er war 2018 an der Entwicklung der ersten afrikanischen Kunstmesse in Johannes-burg beteiligt.

Heinz-Norbert Jocks: Die Globalisierung der Kunstwelt wurden von Weißen ohne Einbeziehung des afrikanischen Blicks umgesetzt.

Simon Njami: Erst einmal ist zu bedenken: Es gibt nicht den afrikanischen Blick. Schwarze blicken auf andere Geschichten als Weiße zurück. Du hast ein Land, und jeder hat den gleichen Pass und doch eine ganz andere Geschichte. Länder wie Mosambik oder Angola mussten bis in die 70er Jahre gegen die Portugiesen kämpfen, als alle anderen afrikanischen Länder bereits Unabhängigkeit erlangt hatten. In Südafrika dauerte es bis 1994. Bezeichnend ist, dass, wenn die Rede von Afrika ist, wir dazu neigen, Länder wie Marokko, Algerien, Tunesien oder Ägypten auszublenden. Jedes dieser Länder versuchte, seine eigene Modernität zu entwickeln….

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