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Gespräche mit Künstler*innen · von Helga Meister · S. 212 - 223
Gespräche mit Künstler*innen ,

Antony Gormley

Das Kreuz existiert im Körper, bevor jemand Gekreuzigt wurde
Ein Gespräch von Helga Meister

Antony Gormley präsentiert im Lehmbruck Museum die größte Schau, die er in einem deutschen Museum je hatte. „Gormley / Lehmbruck: Calling on the Body“ ist zugleich ein spannungsvoller Dialog mit Wilhelm Lehmbruck, für den Museumschefin Söke Dinkla das gesamte Museum mit 3.000 Quadratmetern bereitstellt.

Das Thema beider Künstler ist der Körper. Aber es gibt Unterschiede. Wilhelm Lehmbruck (1881 – 1919) erschafft idealisierte weibliche Figuren, schmale, introvertierte, verletzliche Frauen. Antony Gormley, Jahrgang 1950, erzeugt Skulpturen nach seinem eigenen Körper und will in ihnen einen Moment der gelebten Zeit festhalten. Seit 41 Jahren registriert er den realen, nicht etwa idealisierten Körper. Er sieht den Körper als Fallbeispiel, als Instrument der Reflexion.

Mit der Hippie-Bewegung verließ er England, lebte 1972 bis 1974 in Indien und Sri Lanka, um buddhistische Meditation zu lernen. Er wollte ein anderer Mensch werden, mit mehr Gelassenheit und einem neuen Zeitgefühl. Nach Rückkehr und Studium formte er rund 20 Jahre sein Alter Ego ab. Demonstrativ stellte er seine anatomisch korrekt nachgebildeten Männerkörper 2015 / 2016 auf die Wolkenkratzer von Hongkong, damit die Passanten innehalten und in den Himmel schauen. Inzwischen nutzt er die Mittel des technischen Zeitalters, aber bleibt dabei, den Körper als Urform zu begreifen.

Die Beziehung zum Betrachter ist ihm wichtig. Statt auf den freien Sockel des Trafalgar Square ein eigenes Werk zu platzieren, hielt er den Platz 2009 unter dem Motto „One and Other“ für 2.400 Freiwillige frei, die sich dort…


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