Ausstellungen: Eckernförde , 1998

Jens Rönnau

Carsten Höller

»Vertigo«

Galerie Nemo, Eckernförde, 1.12.1997 – 30.1.1998

Die gemeinsame Installation von Carsten Höller und Rosemarie Trockel auf der letzten documenta war ein zu besichtigender Schweinestall inmitten der fürstlichen Parkanlagen Kassels. Die Provokation wirkte. Mit Spannung durfte man daher die erste Folgeausstellung Höllers auf seinem angestammten Terrain in Schleswig-Holstein erwarten. Bei Norbert Weber in der Bootshausgalerie am Eckernförder Südstrand hält der 36-jährige, was man von ihm erwartet: er provoziert. An diesem Ort ist man ohnehin schon einiges gewöhnt von Höller, der sich im benachbarten Kiel als Wissenschaftler der Phytopathologie auf das Terrain der Kunst begab.

Am durch Hinweisschilder reglementierten Kurstrand gibt es ein großes Autobahnschild, blau, weißer Rahmen: eine leere Fläche, „1 Quadratmeter Blau“, ein deplazierter Richtungsweiser, dem der eindeutige Inhalt fehlt, der über den Strand vielleicht ins Wasser oder in den Himmel führt. Wer weiß.

Dann gibt es da an der Eckernförder Stadthalle einen unscheinbaren Brunnen aus Waschbeton im Stil der 60er Jahre. Mitten in seinem idyllisch sprudelnden Wasserstrahl hat Höller eine „Pegellatte“ installiert, eine Meßlatte, die in natürlichen Gewässern sonst Wasserstände anzeigt. Hier ist sie eigentlich deplaziert und demaskiert so jenes scheinbare Brunnenidyll.

So eingestimmt kann der Eckernförder Urlaubsgast nun in das alte Bootshaus eintreten, wo ihm schwindelig wird, wenn er gut aufpaßt. Nichts als zwei auf die Wand geblendete Videofilme und einen laufenden Monitor trifft er im unteren Galerieraum an, eine Dreifachinstallation: „Muscimol – Charité – Muscimol 3.Versuch“. Aber das Bildmaterial hat es in sich. Höller inszeniert sich dort selbst. Im links gezeigten Schwarz-Weißfilm sitzt er im Giftpilzrausch lamentierend im Ohrensessel…

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