Kommentar , 1998

Amine Haase

Die Diskussion um das Holocaust-Mahnmal in Berlin spiegelt den Zustand der Gesellschaft

Die Diskussion um das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin ist Anfang des Jahres noch einmal zur Zerreißprobe der Nation geworden. Die Zweifel, die jetzt – ein Jahr vor der beschlossenen Grundsteinlegung 1999, am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung von Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Auschwitz, und zehn Jahre nach Entstehung der (privaten) Initiative – in Öffentlichen Briefen, in Statements, in Feuilleton-Artikeln vorgetragen werden, greifen wieder grundsätzliche Argumente auf: nämlich gegen jede Möglichkeit, in dieser Form zu Trauern. Daß sie kurz vor dem Entscheidungsdatum eben über eine bestimmte Form, auszuwählen aus vier Entwürfen, noch einmal entflammten, ist kennzeichnend für den Zustand unserer Gesellschaft. Das festzustellen, kann ein heilsamer Prozeß sein – wenn die Gemeinschaft bereit ist, daraus Schlußfolgerungen zu ziehen. Ansonsten wäre es lediglich ein – trauriges – Spektakel in einer – zynischen – Zuschauer-Gesellschaft. Vieles spricht dafür, daß ein Erkenntnis-Gewinn aus der Diskussion eines so schwierigen und empfindlichen Themas besonders heikel ist. Würden sonst immer wieder dieselben grundsätzlichen Fragen an ein Denkmal-Projekt gestellt, daß von höchster politischer Stelle „beschlossen“ wurde? Müßte nicht vielmehr darüber debattiert werden, ob ein solcher Beschluß überhaupt möglich und sinnvoll ist, statt über die „Form“ eines Denkmals zu streiten? Offenbar wurde die Gelegenheit verpatzt, zumindest sind die Botschaften wohl nicht angekommen – obwohl die Wettbewerbsentscheidung von 1995 gecancelt, 1996 eine Serie von „Experten-Kolloquien“ veranstaltet, 1997 ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben und das daraus hervorgegangene Vierfach-Ergebnis nochmals öffentlich diskutiert wurde.

Eine Erkenntnis aus den Debatten hätte nämlich sein können,…

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