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Ausstellungen: Kassel · S. 327 - 327
Ausstellungen: Kassel , 1985

Fundort Zwehrenturm

Der Zwehrenturm, einsi Stadtturm von Kassel, dann Sternwarte, heute Teil des Fridericianums, ist wie dieses bislang außerhalb der documenten ungenutzt. Er besteht aus drei übereinander angeordneten Räumen, die alle unterschiedlich beschaffen sind. Rotraut Fischer aus München wählte den untersten, kleinsten und niedrigsten Raum, der mit seiner tiefgezogenen Tonne wie ein Burgverließ wirkt . Entsprechend ihren früheren Arbeiten verwendet sie auch hier geschliffenen Granit und Stahl. Kam es ihr bisher vor allem auf das unterschiedliche Erscheinungsbild der beiden Materialien an, so geht es ihr hier um ein äußerst diffizil ausgewogenes Kräfteverhältnis. Sie hat zwei Vierkantstangen aus Granit mit Stahlseilen so im Raum verspannt, daß durch die verschobene parallele Anordnung eine scheinbar gegenläufige Bewegung evoziert wird, die den längs des Fridericianums vorbeifließenden Verkehr aufnimmt. Da die Seile auf der einen Seile über dem Fenster verankert sind, wirken die Granitstangen durch die Lichtflut leicht wie Pfeile, obwohl sie Wurfgeschosse von enormer Kraft wären. Mit dieser Installation wird der Raum vermessen, zusammengehalten und zugleich fast gesprengt. Als Bauwerk lebt der Turm ständig in der Spannung von Vergangenheit und Vergänglichkeit. Er wird durch die Anstrengungen der Gegenwart erhalten und ist doch gerade durch sie gefährdet. Rotraut Fischer ist mit ihrer bis an die äußerste Grenze der Belastbarkeit von Mauern, Seil und Granitstein rührenden Arbeit ein bildhaftes Gleichnis dieses gefährdeten Gleichgewichts. „Nichts berühren!“ ist die eindeutige Warnung.

Im nächsten Stock gibt es einen hellen, klaren Raum. Ihn hat Mechtild Nemeczek aus Köln gewählt. Ihre Kunst hat zwar viel mit Raum und Farbe zu tun, aber nur…

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