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Ausstellungen: Hildesheim · S. 328 - 329
Ausstellungen: Hildesheim , 1985

Anatol

Objekte und Bilder

Eigentlich heißt er Herzfeld und ist in seiner bürgerlichen Existenz Polizeihauptmeister in Düsseldorf, spielt in Schulen den aufklärenden Verkehrskasper. Als Bildner nennt sich der einstige Beuys-Schüler schlicht und kontaktfreudig Anatol. In Großbuchstaben prangt der Vorname auf Einladungen, Plakaten und Katalogen; so signiert er seine Objekte, Aquarelle und Zeichnungen, veranstaltet unter diesem Namen Sommerkurse der Kreativität in Dangast am Jadebusen; in dem von Franz Radziwill so oft gemalten Kurhaus am Watt, wo inzwischen Anatols Nixe aus dem Wasser oder aus dem Schlick grüßt. (Heckels „Mühle von Dangast“ und andere Bilder der Brücke-Künstler erweckten in ihm einst die Begeisterung für die Malerei.) Seit 1969 verwendet er für seine plastischen Aktionen den pragmatischen Begriff der „Arbeitszeit“. Das Normalmaß eines gewerkschaftlich abgesicherten Achtstunden-Tages wird dabei häufig überschritten; manche der schweißtreibenden Veranstaltungen wuchsen zu mittelgroßen Volksfesten aus. Er schätzt die anregende Zusammenarbeit mit anderen, fordert zum Mitmachen auf, schafft gern im Freien und vor den Augen der Leute. Wie sein ehemaliger Lehrer am Rhein wirbt er intensiv und agil für eine „Freie Akademie“, die seit fast zehn Jahren ihren Sitz in Oldenburg hat. Sein einnehmend-handfester ostpreußischer Charme und seine deftige, bärbeißigherzliche Art der ansteckenden Geselligkeit haben dem heute 53-jährigen Ex-Schmied und Ex-Boxer auch außerhalb der Insider-Zirkel zahlreiche treue Freunde und Sympathisanten verschafft. Ausgestattet mit martialischem Schnauzbart, ausladendem Zimmermannshut und einer kräftigen Portion Vitalität und Witz, beladen mit maritimer Sehnsucht, im Vollbesitz des Stoizismus eines Walrosses, agiert Anatol empfindsam-poltrig zwischen Malerei und Skulptur, zwischen zarten Wasserfarbentönen und schweren, sperrigen Materialien, zwischen Poesie und griffiger…

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