Kunstforum-Gespräche , 2010

Ich bin das antizyklische Modell

Klaus Staeck im Gespräch mit Ronald Berg über die Frage ist Satire Kunst?, die Verfügung über die Produktionsmittel und wozu man Präsident der Akademie der Künste wird.

Klaus Staeck, 1938 in Pulsnitz geboren, in Bitterfeld aufgewachsen und 1956 nach Heidelberg übergesiedelt, ist seit über vier Jahrzehnten im Kunstbetrieb. Er vereint die Rollen als Künstler, Verleger und Rechtsanwalt in einer Person und steht mit seinem Modell der künstlerischen Autarkie ziemlich alleine da. Glücklicherweise ist Staeck im Mai zum zweiten Mal für weitere drei Jahre zum Präsidenten der Akademie der Künste, Berlin, gewählt worden, und kann sich daher auch auf anderen Wegen Gehör verschaffen – zum Beispiel bei den Politikern auch außerhalb seiner eigenen Partei der SPD, der er noch immer angehört. Staeck praktiziert die demokratische Öffnung der Kunst für die Massen, die ihn einst auch zur Zusammenarbeit mit Joseph Beuys brachte, bis heute: Noch immer geht es bei seinen für jedermann erschwinglichen Plakaten und Postkarten um politische Satire, ums Kritisieren, Einmischen und zum Mitmachen auffordern. In diesem Jahr veranstaltete die Berlinische Galerie eine umfangreiche Staeck-Retrospektive, die über 25000 Besucher anlockte. Beleg für ein Staeck-Revival oder war er nie weg?

***

RB: Im Jahr 2000 haben Sie aufgezählt, Sie seien wegen Ihrer Kunst 41 mal verklagt worden und müßten prozessieren. Sind inzwischen noch mehr Prozesse dazu gekommen?

KS: Nein, es ist eine gewisse Beruhigung eingekehrt. Auch andere sammeln Erfahrungen. Die Tatsache, daß ich alle Prozesse gewonnen habe, spricht dafür, dass auch die Gerichte die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut schätzen und…

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