Ausstellungen: Berlin · von Marius Babias · S. 382
Ausstellungen: Berlin , 1991

Marius Babias

Igor und Svetlana Kopystiansky

Berlinische Galerie, 23.8. – 20.10.1991

Bis auf eine kurze Periode zu Beginn der Revolution hat die sowjetische Kulturpolitik alle Kulturschaffenden bekämpft, die sich dem Diktat des „Sozialistischen Realismus“ nicht unterwarfen. Dennoch konnte sich im Laufe der Jahrzehnte, abgeschnitten vom Informationsfluß und von den Entwicklungen des Westens, eine Kultur- und Kunstszene unterhalb der offiziellen etablieren. Zu ihr gehörten die Künstler Erik Bulatov, Ilya Kabakov, Dmitri Prigov, Oleg Vassiliev und das Künstlerehepaar Igor und Svetlana Kopystiansky, das 1991 Gast des Berliner DAAD-Programms war.

Der Westen verfügte über lange Jahre hinweg über keine Informationen bezüglich russischer Kunst. Folglich fehlten auch die Kriterien, um einen Maßstab für ihre Beurteilung zu entwickeln. Legt man dennoch unsere westlichen Maßstäbe an, führt solches Argumentieren in letzter Konsequenz zur Marginalisierung der sowjetischen Kunst, statt diese in den allgemeinen Diskurs zu stellen. Damit sowjetische Kunst nicht als eine Art biologischer Reflex gesellschaftlicher Zustände mißverstanden wird, muß die Diskussion zunächst aus einer kunstgeschichtlichen Perspektive geführt werden, bevor Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Befindlichkeit zu ziehen sind.

Es spricht für die Sensibilität und das intellektuelle Kalkül von Igor und Svetlana Kopystiansky, daß sie ihre im Martin-Gropius-Bau installierte Ausstellung „In the Tradition“ nennen. Bezugspunkt ihres langjährigen gemeinsamen Schaffens ist die russische Avantgarde und deren Balance zwischen Utopismus und Funktionalismus; Igor Kopystianskys ästhetische Referenz geht gar auf die Epochenmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts zurück.

Zwar sind die Kopystianskys – nachdem Kabakov und Bulatov Mitte der 60er Jahre die sogenannte „SozArt“ begründeten – „bereits Kinder dieser Gegenöffentlichkeit“, wie Joachim Sartorius im Katalogtext feststellt. Aber…

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