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Ausstellungen: Eupen · von Renate Puvogel · S. 449 - 450
Ausstellungen: Eupen , 2001

Renate Puvogel
Jacques Charlier – Sixties Nineties

ikob – Internationales Kunstzentrum Ostbelgien, Eupen, 19.11.2000 – 21.1.2001

Dass Jacques Charlier Belgier ist, sieht man auf Anhieb. Eine derartige Mischung aus frechem Witz und ernstem Engagement, aus skurriler Überzeichnung und nonchalanter Untertreibung, aus bitterem Spott und rührseliger Dramatik, aus sezierender Kritik und diplomatischem Geschick, aus bravourösem Können und erschreckendem Dilettantismus, allem voran aber: aus Kitsch und Kunst gibt es nur bei belgischen Künstlern. Jacques Charlier stellt alles bisher Dagewesene und Gekannte in den Schatten, indem er die von René Magritte und Marcel Broodthaers ererbten Eigenschaften auf die Spitze treibt. Will man sich zunächst entrüstet und ein wenig besserwissend abwenden, so lohnt es dann doch, seine ästhetischen Vorstellungen an der Garderobe abzugeben und sich auf das Werk dieses enfant terrible der Gesellschaft und der Kunstgeschichte einzulassen. Denn dieser Künstler hat immer wie ein Stachel im Fleisch gewirkt.

Das vom künstlerischen Leiter Francis Feidler mit unermüdlichem Eifer gegründete und seither geführte Kunstzentrum icob in dem deutschsprachigen Eupen richtet Charlier die erste umfassende Übersichtsausstellung aus. Charlier, 1939 in Lüttich geboren, hat sich mit seiner Entscheidung für Eupen ausdrücklich gegen die restaurative Kulturpolitik seiner Geburts- und Wohnstadt Lüttich ausgesprochen. So hat er für seine Schau den eher rückwärts gewandten Begriff ‚Retrospektive‘ gegen den der „Rekapitulation“ getauscht, ist er doch stärker von dem Moment eines nochmaligen, korrigierenden Durchdenkens geprägt.

Die Ausstellung ist nahezu chronologisch aufgebaut, so dass man mit der zeitlichen Abfolge die Kunstgeschichte seit den 60er Jahren Revue passieren sieht. Beginnend mit konzeptuellen Beiträgen, finden sich Arbeiten im Stile der…


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