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Ausstellungen: München · S. 352 - 353
Ausstellungen: München , 1985

Kryll

Eine Installation von Jörg Bachofer im Kunstforum unter der Maximilianstraße München, Dez./Jan. 1984/85

KRYLL ist eine Wortschöpfung von Jörg Bachofer, die Lautmalerisches wie ‚krallen und kratzen‘ mit der etwas verschwommenen Vorstellung von ‚Krill‘ verknüpft, was tierisches Plakton meint, das vor allem aus Leuchtkrebsen, Ruderkrebsen und Ruderschnecken besteht. Jörg Bachofer hat damit ein mechanisches Gebilde bezeichnet, dessen 5 Teile beweglich miteinander verbunden sind. Mit Hilfe eines im Innern verborgenen pneumatischen Systems öffnen und schließen sich die vier äußeren Eisenglieder selbsttätig in einem ununterbrochenen gleichmäßigen Rhythmus. Diese scheinbare Automobilität fasziniert ebenso wie die völlige Nutzlosigkeit der ‚Maschine‘.

Angekündigt wurde dieses teure und aufwendige, gleichzeitig aber auch recht unscheinbare Stück Mechanik mit einer Postkarte, auf der der kleine Jörg von seiner Mutter umarmt wird. Den Fotografen hat aber noch mehr als diese Familienszene der Ausblick auf die Berge durch das dreiteilige Panoramafenster gereizt. Die sonntägliche Kaffeetafel wird durch lange Schlagschatten ‚dramatisch‘ ausgeleuchtet. Die idyllische Stimmung scheint dadurch fragwürdig und gestört. Gerade das fesselte Jörg Bachofer an diesem Familienfoto. Hier fand er den Ansatzpunkt für seine eigene Arbeit mit anderen Mitteln, wenn auch ungewollt und unbewußt ausgedrückt. Es ist die trügerische Hoffnung auf einen festen Standpunkt, dem zuliebe wir alles wegdenken, was ihn gefährdet. Erstes Hilfsmittel für unsere Orientierung ist der Gesichtssinn, mit dem wir unsere Umgebung und damit den Raum wahrnehmen. Jörg Bachofer versucht durch kleine Eingriffe in unser Gesichtsfeld Wahrnehmung bewußter zu machen. Er benutzt die Gesetze der Optik, um uns zu irritieren. Gerade, wenn wir uns unserer Umgebung ganz sicher wähnen, bietet er…

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