Ausstellungen: Amsterdam · S. 266
Ausstellungen: Amsterdam , 1985

La grande Parade

Stedelijk Museum Amsterdam
von Klaus Honnef

Es ist Zeit, daran zu erinnern: Rund 10 Jahre ist es her, da hätte kaum jemand im hektischen Kunstgetriebe auch nur einen Pfifferling für die Zukunft der Malerei gegeben; der dies schreibt eingeschlossen. Mit Ausnahme einer Handvoll besessener Maler, die offenbar nicht anders konnten (oder wollten), als zu malen. Die Malerei ist tot, die Behauptung galt als Feststellung. Der Handel lebte zwar vom Bilderverkauf, doch sein Einfluß auf die Läufe der zeitgenössischen Kunst hatte sich im Vergleich zu den 60er Jahren verringert. Zettel, flüchtige Ideenskizzen, amateurhafte Fotos, sperrige Gebilde aus ephemeren Materialien, häufig vom Abfall, besaßen nur dürftige merkantile Chancen. ‚Kunst im Kopf hieß die Losung; das wichtigste Medium war mitunter die Post. Künstler realisierten ihre Projekte am Ort und überließen sie dann ihrem Schicksal. Sie arbeiteten vorwiegend auf Honorarbasis, einer schmalen allerdings. Mancher junge Kunsteleve an den Akademien der Avantgarde sah sich isoliert, wenn er dennoch malen wollte. Mancher schon etablierte Maler ersetzte den Pinsel durch die Fotokamera. Tempi passati?

Daß Totgesagte häufig länger leben, ist eine Spruchweisheit. Auf dem Gebiete der Kunst besitzt sie wohl die größte Berechtigung. So lebendig wie die totgesagte Malerei gegenwärtig ist nicht nur der ebenso totgesagte Roman. Mit irgendwelchen magischen Zauberkräften hat das aber nichts zu tun. Eher damit, daß sich beständig die Perspektive des Interesses verschiebt. Jegliche künstlerische Entwicklung vollzieht sich in einem dialektischen Prozeß. Tradition und Traditionsbruch, Kontinuität und Diskontinuität, Konvention und Spontaneität sind die Pole, wo zwischen sie sich bewegt. Edy de Wilde, scheidender…

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