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Report · S. 265 - 265
Report , 1985

Fototermin mit der Gegenwartsliteratur

Die Fotografin Isolde Ohlbaum und ihre Gesichter der deutschen Literatur

„So sieht er/sie also aus“: das Gesicht zwischen den Zeilen, Künstler- und Autorenporträts. Ein fotografisches Genre mit einer bedeutenden Tradition, das in seinen brillantesten Umsetzungen vornehmlich mit den Namen von Frauen in Verbindung gebracht werden muß: Germaine Krull, Gisele Freund, Liselotte Strelow und Lotte Jacobi.

Das zu Beginn angeführte Zitat besitzt Modellcharakter und typisiert mit relativer Genauigkeit den Erwartungshorizont des Zeitungslesers beim Blick auf die literaturkritische Seite des Feuilletons: Die Neugier auf den „konkreten Rest“ hinter Autoren-Text und Kritiker-Wertung – das fotografische Porträt von Bernhard, Canetti, Johnson, Sarah Kirsch, Botho Strauß oder Christa Wolf. Meist fehlt der Platz fürs Foto, freie wie unfreie Mitarbeiter des Zeitungswesens kennen das Problem. Wenn es dann aber möglich wird, ist es mehr als schmückendes Beiwerk und wird nicht selten zum Fixpunkt im jeweiligen Layout. Das trifft gerade dann zu, wenn unter dem Dichter-Porträt der Name Isolde Ohlbaum zu finden ist.

Die Münchner Fotografin, die sich nach Bürojahren im Verlagswesen als Autoren-Porträtistin in die Kulturseiten der „ersten Blätter“ vorgearbeitet hat, stellt jetzt mit der ersten Buch-Publikation „FOTOTERMIN. Gesichter der deutschen Literatur“, das große Reservoir ihrer fotografischen Auseinandersetzung mit deutschsprachigen Schriftstellern vor. „Fototermin“, das klingt wie „Lesungstermin“ nach den Zwängen des Literaturbetriebs. Von beiden Termin-Typen sind die meisten Autoren wenig begeistert, was sich auch in vielen Fotografien widerspiegelt: Außenseiter in Außenseiter-Posen, ihre Auffassung vom Fotografiertwerden ist neben einigen Abbildungen nachzulesen. Das ist oft interessant, riecht aber auch in einigen Fällen nach mehr oder minder geistreichem Formulierungszwang….

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