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Biennalen · von Heinz-Norbert Jocks · S. 288 - 297
Biennalen ,

Manifest der Fragilität

16. Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon
14.09.–31.12.2022

von Heinz-Norbert Jocks

Die jüngste Lyon Biennale ist sinnlich, geistig und vom Erleben her ein Gewinn in einer von Covid, Krieg, Engpässen und Inflation zermürbten Welt. Überreich an künstlerischen Angeboten, An- und Aussichten diversester Art, deren epochenübergreifende Bandbreite von Malerei über Statuen, Skulpturen und Installationen bis hin zu Performance, Video und Animationsfilm reicht, erkundet die 16. Ausgabe facettenreich die globale Welt, die plötzlich in eine schwere Krise gestürzt ist. Sie entfaltet nicht nur ein gegengängiges Verständnis des Zeitgenössischen im Lichte eines „Vergangenen, das nie tot, nicht einmal vergangen ist“, (William Faulkner). Sie verwebt auch die großen Historien mit den kleinen Erzählungen und führt so die prekäre Conditio Humana unserer Tage prägnant vor Augen.

Zudem zeugt sie von der pandemiebedingten Erfahrung der Vulnerabilität und setzt bei dieser ein, um grundsätzlich in Form eines Crossover der Zeiten über die Fragilität der menschlichen Existenz und die Gefährdung unseres Planeten nachzusinnen. Denn da, wo sich der Mensch seiner und der Endlichkeit allen Lebens bewusst wird, wächst auch Widerstand, den Künstler*innen schon dadurch leisten, dass sie dieser mit Produktivität trotzen. Laut Ernst Bloch, dem Philosophen der konkreten Utopie, gehören das Alles und das Nichts zum realen Möglichkeitspotential. Die Apokalypse ist nah und fern zugleich. Auch das spiegelt die publikumsfreundliche Schau wider, die auf fundierten Recherchen in Sammlungen regionaler, nationaler und internationaler Museen und in öffentlichen und privaten Archiven beruht.

„Durch das Wiedererkennen des vergänglichen Charakters des Lebens in all seinen Formen wollen wir die Möglichkeit ergreifen, die emanzipatorische Kraft…

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