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Ausstellungen: Bielefeld · von Michael Stoeber · S. 242 - 244
Ausstellungen: Bielefeld ,

Bielefeld
Monica Bonvicini

Lover’s Material
Kunsthalle Bielefeld 10.10.2020–17.01.2021

von Michael Stoeber

Künstlerin und Kuratorin sind Seelenverwandte. Jedenfalls, wenn es um die Sache der Frau geht. Da sind beide der festen Überzeugung, dass der Feminismus ein noch unabgeschlossenes Projekt ist. Kein Wunder also, dass sich Christina Vegh für ihren ersten Auftritt als Direktorin der Kunsthalle Bielefeld dafür entschied, Monica Bonvicini in einer großen Einzelausstellung zu präsentieren. Sie hätte keine bessere Wahl treffen können. Die international renommierte Künstlerin, 1965 in Venedig geboren, bespielt das von dem amerikanischen Architekten Philip Johnson entworfene und 1968 in Betrieb genommene Haus in fulminanter Weise.

Dabei interagieren ihre zum größten Teil für diese Schau geschaffenen Werke überzeugend mit seiner Architektur. Bonvicinis Aufmerksamkeit für die baulichen Besonderheiten der Kunsthalle wurde nicht nur durch das Haus selbst geschärft, sondern in Vorbereitung ihrer Ausstellung auch durch die Lektüre einer von Franz Schulze verfassten, hervorragenden Biografie über den Architekten. Das Buch hat ihr ebenfalls den Titel für ihre Ausstellung geschenkt: „Lover’s Material“.

Genauso nennt Bonvicini zudem ein Werk, das effektvoll und dramatisch auf einem schwarzen von weißen Lichtblitzen erhellten Bildgrund in roten Versalien Eigenschaften exponiert, die Schulze in seiner Biografie dem Partner von Johnson zuschreibt. Dort lesen wir Jon Stroup sei „unfailingly affectionate, comfortably passive“ und „forever appreciative of his lover(’s) material generosity“ gewesen. Die Beschreibung des ungleichen Machtverhältnisses zwischen den beiden Liebenden hat die Künstlerin motiviert, in ihrer Ausstellung weitere private, politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu untersuchen.

Das tut sie auch in einer eindrucksvollen Wandinstallation im Raum gleich nebenan. Sie trägt den programmatischen Titel „Never Tire“…

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